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Ich bin krank geschrieben. Zwei Wochen. Davor war ich schon eine Woche im Krankenhaus, also sind es drei Wochen, in denen ich nicht zur Arbeit gehen kann.

Ich fand es eigentlich sogar ein wenig verlockend, drei Wochen mal seine Ruhe zu haben und keinen Wecker stellen zu müssen. Eigentlich…

Beschäftigung Nr. 1: Fernsehen

Die Fußball EM ist vorbei. Dies führt ja auch unter normalen Umständen schon einmal in ein emotionales Tal, ist man jedoch rund um die Uhr zu Hause, erhöht sich die Brisanz. Ich strukturiere also meine ersten Tage nach Punkt 9 (Frühstück), Punkt 12 (Mittagessen) und Exklusiv (Abendessen). In den Mitten im Leben Pausen freue ich mich darüber, dass es im sozialen Gefüge doch noch Menschen existieren, die zu mir aufschauen müssten (theoretisch), während ich mir nachmittags im Schlafanzug noch einen Kaffee mache.

Beschäftigung Nr.2: Online Shopping

Heute kam der DHL Bote zum zweiten Mal in dieser Woche und fragte mich, wieso ich denn zu Hause sei. (Er ärgerte sich wohl, weil er sonst die Pakete bequem im EG abgeben kann, während er nun in den 2. Stock schnaufen musste) Ich schilderte im (im Schlafanzug), dass ich krank geschrieben sei, und dass wir uns in den nächsten Tagen wohl noch öfter sehen werden. Online Shopping ist toll, wird mich aber früher oder später in die Situation bringen, dass ich einen Rettungsschirm beantragen muss.

Beschäftigung Nr. 3: Internet

Seiten, die ich durchgelesen habe: SpOn, Facebook, Twitter, Chefkoch, Tagesschau, Amazon, Stepstone, Sacha Brohm, Holidaycheck, Tatort- Forum, Haekeln.com, Wikipedia (okay, nicht ganz durch)

Folgende Mediatheken sind bereits abgearbeitet: ZDF, ZDF neo, ZDF Kultur, WDR Quarks&Co, ARD, RTLnow, VOXnow. Werde mich nun Youtube widmen. Habe festgestellt, dass es dort erstaunlich viele Didi Hallervorden Sketche zu sehen gibt.

Beschäftigung Nr.4: DVD

Alleine Filme auf DVD gucken ist nichts für mich. Da bin ich komisch konditioniert. DVDs sieht man sich mindestens zu zweit an. Zumindest Filme. Wer schon einmal an einem Dienstag vormittag um elf Rosemary’s Baby gesehen hat, weiß vielleicht was ich meine. Da ich meine Diese Drombuschs Box bereits bei meiner Grippe im November abgearbeitet habe, bleibt die restliche DVD Sammlung erstmal unberührt.

Beschäftigung Nr.5: Kochen

Ich muss ja glücklicherweise nicht das Bett hüten. Dies ermöglicht mir, einkaufen zu gehen. Ich habe Muffins gebacken, frischen Fisch zubereitet, Marmelade und Tomatenrelish gekocht und Rhabarbersirup hergestellt. Die Küche liegt nach diesen Aktionen jedesmal in Trümmern. Das Abwaschen vertage ich jedoch (aus Krankheitsgründen, man ist ja schließlich nocht geschwächt) und in Ermangelung eines sauberen Topfes, wird dann eine Ofenfrische in die Röhre geschoben.

Beschäftigung Nr. 6: Lesen

Ja, das ist so eine Sache. Ich lese gerne und ich lese viel. Täglich mindestens eine Stunde. Das ist die Zeit, die ich für die Fahrt zur Arbeit und wieder zurück aufbringe. In der Straßenbahn. Also viel Zeit zum Lesen. Ich habe nie verstanden, wie Menschen Bahn fahren können, ohne dabei zu lesen. Oder Kreuzvorträsel zu lösen. Oder am Handy rumfummeln. Oder überhaupt IRGENDETWAS zu tun. Nun gut. Ich also lese. Im Krankenhaus habe ich 2 1/2 Bücher gelesen. Das erste hatte ich bereits durch während ich an der Aufnahme saß. Mit dem letzten habe ich dummerweise unmittelbar nach der Operation begonnen. Das bedeutet, die ersten 150 Seiten habe ich im Delirium gelesen. Jetzt handelt es sich auch hierbei nicht um Eine Woche voller Samstage oder Konsalik’s Wer stirbt schon gerne unter Palmen, sondern um Kafka am Strand. Ein gutes Buch. Wenn man nicht gerade die ersten 150 Seiten unter Vollnarkose liest. Diese Tatsache macht die noch vor mir liegenden 380 Seiten zu einer Herausforderung. Und danach gibt es erstmal wieder Nick Hornby. Zum Runterkommen.

Beschäftigung Nr. 7: Wäsche waschen

Würde ich machen, trüge ich nicht zu 80% einen Schlafanzug.

Beschäftigung Nr.8: Krankenbesuch empfangen

Tageshighlights. Mein Freundeskreis besteht nun leider nicht aus Arbeitslosen, und auch die Anzahl der Studenten ist im Laufe der Jahre auf Null geschrumpft. Krankenbesuche werden also abends abgestattet. Zwischen 19 und 20 Uhr tausche ich also meinen Schlafanzug gegen eine Hose (naja, meistens… je nachdem, wer mich besuchen kommt) und empfange Besuch. Um beispielsweise mit ebendiesem eine DVD zu schauen. Und ihm anschließend ein Glas selbst gekochte Erdbeermarmelade unterzujubeln.

Beschäftigung Nr.9: Das Haus verlassen

Das ist aufregend. Ich bin wie erwähnt nicht ans Bett gefesselt und soll laut ärztlicher Anweisung auch durchaus rausgehen. Mein Arbeitnehmergewissen macht mir jedoch regelmäßig einen Strich durch die Rechnung. Wie eine illegale Einwanderin schleiche ich also durch meinen Stadtteil und rufe im Geiste schonmal alle vermeintlich wichtigen Sätze ab, die es beim Aufeinandertreffen mit Kollegen abzurufen gilt: Ich war kurz in der Apotheke. Ich habe einen Arzttermin. Klopapier ist alle. Die Operationsnarbe halte ich dabei so verdeckt wie nötig, so sichtbar wie möglich. Jeder Genesungswunsch, der die Worte Glück, gutes Wetter, Erholung, schöne Tage enthält, wird unter „gemeine Zyniker“ lebenslang abgespeichert.

Beschäftigung Nr. 10: Bloggen

Die ideale Beschäftigung. Es rangiert in meinem Normen- und Wertesystem über RTL gucken, macht keinen Dreck, kostet kein Geld und erfordert keine Gesellschaft. Würde ich jetzt noch was erleben (also mehr als in Punkt 1-9 beschrieben), könnte das was werden.

Die zweite Woche ist nun fast rum. Und ich weiß jetzt bereits, dass ich in wenigen Wochen denken werde: „Hach, so ein paar Tage zu Hause, nix tun außer DVD gucken und lesen; das wäre mal was Feines“. Ich hoffe, die formschöne Acht, die ich in den abgewetzten Dielenboden gelaufen habe, wird mich erinnern, wie es war. Damals. Als ich drei Wochen krank geschrieben war.

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