Zettelwirtschaft

Oberflächlich gesehen bin ich ein recht ordentlicher Mensch. Ich putze mehrmals in der Woche das Klo und irgendwie hat auch fast jeder Gegenstand in meiner Wohnung seinen festen Platz.

Fast jeder.

Nun gibt es bei mir die ein oder andere Schublade, in der sich ebenjene Dinge befinden, die sich keiner Kategorie zuordnen lassen. So auch des Öfteren mal Belege, Kassenbons und diverse andere wichtige Scheiben. Zettel eben. Ich besitze auch ein paar Ordner, in der ich solche Zettel 1-2 mal jährlich abhefte. Wenn ich Langeweile habe. Weil ich krank bin. Oder wenn ich kurz zuvor die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt habe, weil ich einen bestimmten wichtigen Zettel stundenlang gesucht habe. Der letzte Abheftungsvorsatz musste leider wegprokrastiniert werden, weil ich meinen Locher nicht finden konnte.

Seit einigen Tagen suche ich nun die Quittung für meinen Reisepass. Der ist nämlich sicherlich schon längst da und wartet auf Abholung. Aber wo ist bloß dieser doofe kleine Zettel? Als erstes ist die Handtasche dran, die hatte ich ja schließlich dabei. Also eine der zahlreichen zumindest. Fehlanzeige. „Naja, so viele Möglichkeiten gibt es ja nicht“. Weit gefehlt. Meine Wohnung misst 50qm, wächst aber zu erstaunlicher Dimension, wenn ich etwas suche. Nun gut. Durchsuchen wir also oben erwähnte Schubladen.

Ich finde Glühbirnen, Bedienungsanleitungen, Filzgleiter, Seitenschneider, Kabelbinder, Fahrradventile, Schuhputzzeug (Schuhputzzeug? Ich besitze Schuhputzzeug??), Zitronenpresse, Gardinenröllchen, Laminatkeile, Post-it Blöcke, Bahnfahrkarten, NEON Unnützes-Wissen Heftchen, Schuhanzieher, Kaugummis, TAN Generator, ein Stapel Kassenbons. Keine Quittung. Ich kann mich wieder erinnern, sie irgendwo hingelegt zu haben, wo ich sie garantiert wiederfinden würde. Zumindest an diesen Gedanken kann ich mich erinnern, nicht aber an den Ort.

Die Suche geht weiter. Auf meinem Küchentisch liegt immer ein Stapel Allerlei. Zeitschriften, Rechnungen, Briefe. Darin kann man rumblättern, wenn man morgens seinen ersten Kaffee trinkt. Ich finde Supermarktprospekte von KW 15-23, aber auch hier: keine Quittung.

„Ist die überhaupt sooo wichtig? Vielleicht brauche ich die ja gar nicht zur Abholung“, diese Überlegung macht sich breit, wird jedoch schnell wieder verworfen beim Gedanken an die mir bevorstehenden Diskussionen auf dem Amt. Die Suche geht also weiter. Ich suche an allen erdenklichen Orten (Sockenschublade, Nähkasten etc.), jede Schublade wird nicht nur einmal durchleuchtet, sondern mehrfach. (Parallel dazu hämmert immer der Satz „HIER musst du wirklich DRINGEND mal aussortieren“ in meinem Ohr).

Als ich gerade aufgeben will, kommt mir die verrückte Idee, in einer Mappe nachzusehen. Eine Mappe, die die imaginäre Beschriftung trägt: „Ablage Muss noch abgeheftet oder in naher Zukunft benutzt werden„. Da ist sie, die Quittung. Die ganze Zeit, in der ich die Wohnung durchkämmt habe, lag sie da. Einfach so. Da wo sie hingehört. Ich lege sie auf den real Prospekt der aktuellen KW, auf den Zeitschriftenstapel in der Küche und denke: „Hier findest du sie garantiert wieder“.

Und zur Not kann ich ja einfach hier nachlesen.

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