Gedächtnisprotokoll einer elterlichen Elektronik- Serviceleistung

Im Haus meiner Eltern gibt es drei Wohnzimmer. Wohnzimmer 1 ist das ursprüngliche, originale, schon immer da gewesene Wohnzimmer. Wohnzimmer 2 ist der ehemalige Spiel- und Partykeller und Wohnzimmer 3 ist mein altes Kinderzimmer. In jedem dieser Wohnzimmer befindet sich ein Fernseher-sogar jeweils Flachbildschirme.

Nun haben meine Eltern (wie die meisten) nur jeweils einen Hintern und ein Augenpaar; und selbst summiert schaffen sie es nicht, alle Fernseher gleichzeitig zu benutzen.

Zudem befinden sich noch DVD bzw. Videogeräte im elterlichen Domizil. Wohnzimmer 3 beherbergt einen Videorecorder, der jedoch nur noch abspielt und nicht mehr aufnimmt. In Wohnzimmer 2 befindet sich ein DVD Recorder und in Wohnzimmer 1, also DEM Wohnzimmer steht ein alter DVD Player, der gar nichts mehr macht. Zu deutsch: Er ist kaputt. Dies ist besonders ärgerlich, da ja nun Wohnzimmer 1 das am häufgsten frequentierte ist.

Da mein Vater seit einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in irgendwelchen spinnenverwebten Ecken hinter Fernsehern rumkriechen kann, bat mich meine Mutter (die so gerade eben weiß, wie ein Fernseher angestellt wird), das ganze Geraffel umzubauen. Als ich dies nun kürzlich tat, ereignete sich folgender Trialog, den ich nun versuche, möglichst wahrheitsgetreu wieder zu geben:

Vater mit Lesebrille auf dem Sofa sitzend: Brauchst du nicht die Bedienungsanleitung?

Ich unter dem TV Möbel liegend: Nö, ich muss ja nur die Kabel umstecken.

Vater: Ja, aber das ist doch jetzt n Recorder, da musst du doch gucken, dass du den Receiver noch angeschlossen kriegst.

Ich: Ja, das seh ich ja dann. Seit wann benutzt DU denn Bedienungsanleitungen??

Vater: Tu ich nicht. Aber du brauchst eine.

Ich: Soso…

Mutter: Pass auf da mit dem Strom!

Ich: Was für Strom?

Mutter: Na, die Kabel da!

Ich: Das ist ein Scart Kabel!

Mutter: Na und? Ist da etwa kein Strom drin?

Ich: Doch, aber…

Mutter: Soll ich nicht die Sicherungen abstellen?

Ich: Nein!! Dann sehe ich ja nicht, obs richtig angeschlossen ist!

Mutter: Schmeiß mir nicht meine Vase da um.

Ich: Nein nein… Vatter, hast du noch ein Antennenkabel?

Vater: Wozu brauchst du das denn?

Ich: Na, um den Receiver anzuschließen. Sonst könnt ihr ja nichts aufnehmen!

Vater: War da doch vorher auch nicht dran. Ich hol mal die Bedienungsanleitung!

Mutter: Rak da nicht so rum, sonst reißt du alle Kabel raus und dann haben wir wieder tagelang kein Fernsehen!

Ich: Was ist jetzt mit dem Antennenkabel?

Ich drehe mich um, aber mein Vater ist verschwunden. Zwanzig Sekunden später steht er mit einer Bedienungsanleitung hinter mir.

Ich: Wo haste die denn jetzt so schnell her?

Vater: Na, ausm Keller. War in dem Ordner, in den sie gehört.

Ich fasziniert, wie man in weniger als 5 Stunden eine Bedienungsanleitung finden kann: Soso…

Mutter: Klemm da bloß nichts falsch an, dass nachher gar nichts mehr geht! Kann ich vielleicht was helfen?

Ich: Sicher nicht!

Vater: Doch! Kannst uns hier mal in Ruhe lassen!

Uns??

Ich: Ich brauche ein Antennenkabel!!!

Mutter: Das weiß ich doch nicht, wie das aussieht.

Ich: Du warst auch nicht gemeint. Vatter, hast du jetzt BITTE ein Antennenkabel? Sooo gemütlich ist es hier unten nicht.

Vater: Klar habe ich ein Antennenkabel. Was denkst du denn?

Er erklärt mir die genauen Koordinaten, ich krabble aus der TV Ecke und hole das Kabel. Nach kurzer Zeit ist alles angeschlossen.

Mutter: Ach, wie? Läuft schon?

Vater: Jetzt erklär mal deiner Mutter, wie das alles so funktioniert. Muss sie ja auch wissen.

Ich zeige meiner Mutter die Basisfunktionen auf der Fernbedienung. Ihr Gesichtsausdruck gleicht meinem, als mein Vater einst versuchte, mir die binomischen Formeln näher zu bringen.

Ich: … so, und wenn du aufnehmen willst, dann musst du…

Mutter: Aufnehmen??? Was sollen wir denn aufnehmen?? Das brauchst du mir gar nicht erst erklären, das brauchen wir sowieso nicht!

So sind sie. Meine Eltern.Aber es ist gut, dass sie so sind, wie sie sind!

Etwa eine halbe Stunde später bekam meine Mutter auch noch ihre Genugtuung, als ich sie reumütig fragen musste, wie man ihre Spülmaschine anstellt.

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