Solariumyoga

Ja, das Seniorenalter kündigt sich an. Habe ich doch früher immer fragend geschaut, wenn mir jemand von Nackenschmerzen, Verspannungen und Zipperlein im Kreuz erzählte (ich habe tatsächlich in meinem ganzen langen, laaangen Leben noch nie wirklich Rückenschmerzen gehabt), so hat es mich jetzt voll erwischt.

Jetzt sind Geschichten über irgendwelche Krankheiten ja nun wirklich vollkommen und unglaublich langweilig. Ebenso sämtliche Gespräche über ebendiese. Ich erzähle die meine trotzdem. Weil sie doch irgendwie ziemlich witzig ist. Wäre. Wenn sie nicht mir passiert wäre.

Gestern nachmittag hatte ich frei und wollte etwas die Sonne genießen. Leider war sie 3 Minuten, nachdem ich das Haus verlassen hatte einem westfälischen Waagerecht- Regensturm gewichen. Beleidigt entschied ich mich, wenigstens die Indoor Sonne mitzunehmen und suchte ein Solarium auf.

Wer den Prolog gelesen hat, weiß jetzt schon, wie die Geschichte weiter gehen wird. Genau: Nach 15 Minuten Sonnen kauerte ich erst im Vierfüßlerstand, danach in Yoga Position ,Hund“ vor dem Ergoline 500. Ich glaube, das nennt man wohl Hexenschuss. Horrorszenarien von türeintretenden Ärzten, die mich in oben beschriebener Stellung vorfinden und mich mit einem Rollbrett die Obernstraße entlang schieben, machten sich breit. Panikattacke und Blitzschläge im Lendenwirbelbereich wechselten sich ab. Jeder Versuch, sich irgendein Kleidungsstück zu greifen und anzulegen, wurde mit „ahhh“, „uahhh“ und „oohh“ lautmalerisch begleitet. 20 Minuten lang. Die Dame an der Theke wunderte sich bereits, wo ich denn wohl bliebe (und wahrscheinlich vermutete sie in mir auch die unbekannte Schwester von Monica Seles). Irgendwann schaffte ich es, mich wenigstens soweit aufzurichten, dass ich mich halbwegs bekleiden konnte. Ohne Socken und mit offenen Schuhen krabbelte ich in die Straßenbahn.

Wird schon weggehen, dachte ich. Bis ich mich heute morgen wie ein Fallschirmspringer (ein sehr uneleganter Fallschirmspringer) aus dem Bett rollte, und mir auf dem Weg zur Arbeit jedes Schlagloch Pipi in die Augen trieb.

Und nun sitze ich hier. Kissen im Rücken. Zwei Spritzen und ein Wärmepflaster ebenfalls im Rücken. Und eine Packung Tabletten vor mir, für die ich am Hauptbahnhof ’ne Menge Geld bekommen würde. Sie bleibt vielleicht auch unangetastet, habe nämlich soeben die Packungsbeilage gelesen.

Eingekauft habe ich vorhin auch. In Ballerinas. Dinge, die nichts wiegen (Tipp: Kartoffelchips und Toastbrot) und sich auf etwa 1,40m Höhe befinden.

Und wenn der Scheiß nicht so verflucht unangenehm weh täte, würde ich sehr drüber lachen. Aber Lachen tut auch weh. Schade…

Advertisements

5 Kommentare zu “Solariumyoga

  1. Miss James sagt:

    Aber über Chips und Toastbrot habe ich gelacht. Sehr.

    Gute Besserung!

    Gefällt mir

  2. grafgrau sagt:

    Nimm doch lieber die Tabeltten, dann klappts auch mit dem LAchen über sich selbst 🙂

    Gefällt mir

  3. @irsign sagt:

    Ach, wenn Hexenschüsse zu solch amüsanten Blogeinträgen führen, soltest du öfter… Nein, nein. Scherz! 😉 GUTE BESSERUNG!

    Gefällt mir

  4. salid sagt:

    Oh man, so beschissen ein Hexenschuss auch ist, aber mir ist bei dem Text gerade vor lauter Lachen fast das Brötchen im Halse stecken geblieben… 😀

    Gute Besserung!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s