Jahresrückblick

Nun ist es soweit. Das Jahr nähert sich dem Ende und das Fernsehprogramm ist voll von Jahresrückblicken. Genau genommen beginnen diese ja bereits Anfang Dezember, wo erst 11/12 des Jahres um sind. Früher war das noch ein Erlebnis. Frank Elstner lieferte in 90 Minuten die wichtigsten Daten und Fakten (Nachrichten, Verstorbene, Kriege, Grand Prix d’Eurovision, Fußball, 21:45, fertig!). Heute lädt Markus Lanz jemanden ein, der einen kennt, der in der Nähe von Hurricane, Asteroideneinschlag, Zugunglück, Bombenanschlag war. Die Fünflinge aus Castrop- Rauxel sind auch wieder ein Jahr älter, stellt Günther Jauch beeindruckt fest, nachdem er über Marianne Wischmüller- Schnarrenheimer berichtet hat, die im hohen Alter von 117 Jahren noch das Deutsche Sportabzeichen gemacht hat, nachdem sie (zusammen mit Markus Lanz?) auf einer 50er Vespa die Antarktis durchquert hat. Richtige Nachrichten sind eben doof, weil meistens schlecht. Und man will ja mit Freuden auf das nächste Jahr blicken. Weil das Alte eben so scheiße war.

Ich blicke also einmal ganz schonungslos auf mein persönliches 2013:

  • Ich habe den Job gewechselt. Gute Entscheidung, die ich noch nicht bereut habe, obwohl ich jetzt 2,5 Std täglich im Zug sitze. Immerhin habe ich dafür geschätzte 60 Bücher gelesen und 25 Schals gehäkelt.
  • Ich war dieses Jahr zweimal am Meer, einmal auf Sylt und in Schottland. Beides habe ich sicher nicht zum letzten Mal besucht.
  • In meinem näheren Umfeld wurden dieses Jahr vier Kinder geboren und niemand ist gestorben. Das ist eine ziemlich gute Quote.
  • Ich habe 14 kg verloren und (mit Zugabe) wiedergewonnen. Das ist eine weniger gute Quote.
  • Ich habe mich einmal verliebt und zweimal entliebt. Das ist eine sehr gute Quote, auch wenn es erst einmal nicht so klingt.
  • Ich war erschreckenderweise auf keinem einzigen Konzert (ich habe nachgesehen, das letzte war im Dezember 2011), dafür auf einem Festival. Das gilt auch!
  • Ich war viel zu selten auf dem Siggi und viel zu selten betrunken. Hier besteht ein Kausalzusammenhang.
  • Durch den neuen Job kenne ich folgende Bahnhöfe nun wie meine Westentasche: Paderborn, Mannheim, Hannover, Stuttgart, Frankfurt Flughafen, Frankfurt Hbf, Bremen, Braunschweig. Kein Geschenk.
  • Auch in 2013 habe ich keinen Pfennig  Cent für Lotto, Radler oder die BILD Zeitung ausgegeben.
  • Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal beim „Siedeln“ gewonnen. Dabei wird es auch wohl bleiben, scheinbar hab ich’s nicht so mit Ländereien.
  • Mir wurden in diesem Jahr ein Fahrrad und etwa 47 Feuerzeuge geklaut.

Tja, das war mein Jahr 2013. Alles in allem ein scheiß Jahr, wobei 2012 scheißer war. Immerhin gab es keine Katastrophen, ich habe mir keine Gliedmaßen gebrochen, keine wichtigen Organe entfernen lassen. Ich bin auch auf keinen Mitgiftjäger reingefallen und der Zahnarzt hat beim letzten Mal auch nicht gebohrt.

Man soll ja genügsam und dankbar sein. Und vielleicht weniger Tom Waits hören. Aber das ist ja auch keine Lösung.

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