Gaucho Dance

Das ganze Land freut sich über den WM Titel.

Das ganze Land?-

Nein, ein paar Spielverderber und Weltverbesserer müssen doch noch ein Haar in der Siegessuppe suchen. Und wer suchet, der findet: Ein Gaucho Dance!! Wie unmöglich!! Die machen sich doch nicht etwa über den Verlierer lustig? Das ist ja typisch, die ollen Nazis! Das gehört sich aber wirklich nicht!

Italien hat sich acht Jahre über uns lustig gemacht, nachdem Fabio Grosso uns nach Hause geballert hat. Die internationale Presse schreibt freundlich und gratulierend. Die Brasilianer, die von der deutschen Mannschaft 7:1 durchgelassen worden sind, haben uns angefeuert. Aber nun müssen wir uns bitteschön gepflegt und kniggegerecht freuen. Fähnchen schwenken, Trikot tragen, okay… wenn’s denn sein muss. Aber wir bewegen uns doch immer an der Grenze zum Nationalismus. Flaggen sind eben doch irgendwie ein wenig wie Hymnen: Kurz vor Nazi. Auch beim Fußball.

Und dann der Gipfel: Da machen die sich doch tatsächlich über den Gegner lustig. Das geht nun wirklich nicht (es sei denn, es ist Holland… da ist das was Anderes).

Leute: Es ist Fußball! Sonst nichts! Bayern und Schalkefahnen dürfen auch ungestraft geschwenkt werden (was mir persönlich viel verwerflicher erscheint). Da stehen 23 Jungs, die mehr Lebenszeit auf Fußballplätzen als in Klassenräumen verbracht haben, auf einer Bühne, nachdem sie mal kurz Fußball Weltmeister geworden sind. Und dann dürfen sie nicht über ihre Gegner spötteln? Warum nicht? Weil sie dann Nazis sind?- Okay, innerdeutsch darf man das dann? Dortmund darf über Schalke lachen, Preußen über Bielefeld und das ganze Land über Bayern München?

Weil sie Vorbilder sind? Ähm, für was? Political Correctness? Gesellschaftskritik? ES SIND FUSSBALLER! Sie spielen Fußball. Und das ziemlich gut. Deswegen sind sie Weltmeister. Jeder, der gerne Fußball spielt, sollte sich diese Jungs als Vorbild heranziehen. Für’s Fußballspielen. Nicht für Lateinkenntnisse. Nicht für Frisuren. Nicht für das Tragen von Ledercaps. Für Fußball!

Weil es fies und gemein dem Gegner gegenüber ist? Ja. Ist es. Aber so ist eben Fußball. Nicht weniger, aber auch ganz sicher nicht mehr.

 

Katzenstöckchen

Der geschätzte Dirk, neuerdings Katzenbesitzer, eröffnete auf Twitter kürzlich aufgrund dieses Artikels im Stern eine Diskussion, die er anschließend verbloggte. Auf Grund meines Nichtbloggens wurde kurzerhand ein Stöckchen daraus, welches mich wieder zum Bloggen animieren sollte.

Nun denn. Dann wollen wir mal:

23 nervige Dinge, die jeder Katzenbesitzer kennt:

1. Zur Tür rennen, um den Pizzaboten zu empfangen – und sich auf dem Weg dahin fast das Genick brechen, weil die Katze genau zwischen die Beine läuft.
Zwei. Es sind zwei. Für jedes Bein einer. Wenn es klingelt hechten sie zur Tür. Auch wenn sie vorher im Koma gelegen haben. Wenn ich nach dem Weckerklingeln bloß auch so schnell fit wäre, wie diese zwei Fellnasen. Am größten sind die Reflexe, wenn der Katermaggen knurrt. Das ist etwa 22 Std am Tag der Fall.
Übereinstimmung: 100%

2. Von wegen Lego-Steine. Barfuß auf Katzenstreu treten – das nervt! Tut vielleicht nicht ganz so weh, dafür ist es aber auch in den Schuhen. Und in den Socken.
…und auf dem Teppich, in den Dielenfugen, in sämtlichen Taschen, auf diversen Möbeln… naja, also eigentlich überall. Ich habe das extra feinkörnige. Das staubt nicht. Und es lässt sich toll verteilen. Überall hin.
Übereinstimmung: 100%

3. Haare, Haare überall.

Eigentlich müssten sie nackt sein. Beide. Betrachtet man den Staubsaugerbeutel und die Haare auf Möbeln und Teppich, kann man sich schwer vorstellen, dass noch Haare dran sind. Es sind aber noch welche da. Am einen schwarze, an dem anderen schwarze und weiße. Das erschwert die katerfreundliche  Textilienauswahl. Eine Sorte Haare sieht man immer. Besonders nach der täglichen Prügelei unter Brüdern (das tägliche Kater Workout), könnte man aus den Fellrückständen einen dritten Kater klöppeln. Aber dafür ist die Wohnung etwas klein.
Übereinstimmung: 100% (x2= 200%)
Schwarze UND weiße Haare. Da haste keine Schangse, die Textilien passend abzustimmen.
4. Besuchern erklären, warum sie vor dem Verlassen der Wohnung besser den Fusselroller benutzen.
Öhm, nun ja. Also, ich besitze einen Fusselroller, benutze ihn jedoch eher selten. Dementsprechend biete ich ihn auch selten feil. Nicht aus Egoismus, sondern aus Schusseligkeit. Sollte ich vielleicht mal ändern.
Übereinstimmung: 0% (wäre 100%, wenn ich nicht so schluderig wäre)

5. Überhaupt hat man den Fusselrollenverschleiß eines ganzen Dorfes.
siehe Punkt 4. Hinzu kommt, dass ich größtenteils schwarz trage. Hier sind schon einmal 80% der Katzenhaare unsichtbar. Die anderen weißen lassen sich wunderbar abzupfen, während man uninteressante Gespräche mit langweiligen Menschen führt.
Übereinstimmung: 0%

6. Den damit einhergehenden, schleichenden und doch unvermeidlichen Verlust jeden Katzenhaarallergikers aus dem Freundeskreis.

Verlust ist vielleicht etwas pathetisch. Sie besuchen mich nicht mehr. Zwei Personen aus meinem Freundeskreis sind tatsächlich so allergisch, dass sie es in meiner kontaminierten Bleibe keine 5 Minuten aushalten. Weitere zwei Personen sitzen röchelnd und schnaufend und leiden still vor sich hin. Eine Freundin niest schon, wenn sie meinem Pullover zu nahe kommt. (siehe Punkt 5).
Übereinstimmung 80%

7. Besuchern außerdem erklären müssen, warum sie in DER Sofaecke jetzt leider nicht sitzen können. Die Katze könnte schließlich jederzeit Anspruch auf ihren Lieblingsplatz erheben und sehr ungehalten werden.

Die Kater haben keine ausgewählten Lieblingsplätze, bzw. ändern diese sich ständig. Grundsätzlich ist erst einmal ALLES Katerplatz. Insbesondere der Platz, auf dem gerade jemand anders sitzt. Der Besucher merkt das schnell. Aufs Klo gehen darf man hier nicht, dann ist der Platz eben weg. Ätsch. Ich halte mich aus diesen Streitereien aber raus. Das soll der Besuch selber mit dem Viehzeug klären.
Übereinstimmung 80%

8. Keine plausible Erklärung für das finden, was die Katze mit den Schuhen macht und sich ein bisschen dafür schämen.

Ich sage nur Hinterpfotenkloppe.
Übereinstimmung 100%

9. Morgens schon vor dem Weckerklingeln geweckt werden. Gern mit einem beherzten Sprung auf den Bauch, mit Tatzenschlägen ins Gesicht oder schmerzhaftem Gelecke der rauen Katzenzunge an derselben Stelle.

„Geweckt“ ist jetzt übertrieben. Das liegt aber nicht an den Bemühungen der Kater, sondern an mir. Ich schrob kürzlich darüber. Selbst wenn die Kater Schlagzeug spielen würden, wäre ich vermutlich nicht vorm Weckerklingeln wach. Der katersche Maßnahmenkatalog ist aber wie oben beschrieben. Begleitet von dem lautesten Schnurren, was aus dem kleinen Resonanzkörper kommen kann, wird auf dem Rippenbogen Polka getanzt. Solange, bis ich wach bin. Dann legen sich die beiden schlafen. Je-des-mal.
Übereinstimmung: 100%

10. Tütenweise ausgefallenes, ungenutztes Katzenspielzeug im Schrank. Es wird lieber leidenschaftlich Papier zerfetzt und in der Wohnung verteilt.
Kabelbinder, Colaflaschenstripsen, Haargummis, Brot-Zumach- Clips, Feuerzeuge. Eignet sich alles zum Fußballtraining. 4 Tage habe ich mal meine Brille gesucht, weil einer der beiden damit rumgekegelt hatte.
Übereinstimmung 100%

11. Ähnlich verhält es sich mit der Kratzbaumlandschaft – warum die nehmen, wenn sich das Ledersofa doch sooo viel besser anfühlt unter den Krallen?

Naja, es ist nicht so, dass der Kratzbaum nicht benutzt wird. Die zwei haben nur Schwierigkeiten, die anderen Möbel davon zu unterscheiden. Beziehungsweise haben sie keine Lust zu differenzieren.
Übereinstimmung 100%

12. Durch trommelfellzerfetzendes Miauen geweckt werden, von einem Wohnungsbrand ausgehen – und dann ist nur der Futternapf nicht voll genug.
„Nicht voll genug“ gibt es hier nicht. Hier gibt es nur voll (zweimal täglich für etwa 20 Sekunden) und leer. Die restlichen 23 Std, 59 Minuten und 40 Sekunden sind die Näpfe leer. Und die zwei geben Laute von sich, die auf eine wochenlange Fastenzeit hinweisen.
Übereinstimmung 100%

13. Zimmerpflanzen ganz nach oben stellen müssen, weil sie ausnahmslos für Katzengras gehalten und angefressen werden.

Ich lebe jetzt nicht gerade in einem Gewächshaus. Ich habe einige Pflanzen, die scheinbar nicht so delikat schmecken. Basilikum, Schnittlauch und Petersilie hingegen muss ich mir immer teilen.
Übereinstimmung 50%

14. Sein Notebook nicht benutzen können, weil die Katze gerade darauf schläft.

Kinski schläft auf allem was warm ist. Er würde wohl auch auf der heißen Herdplatte schlafen, wenn ich sie ihm hin und wieder mal anstellen würde. Daher schläft er auch auf meinem Notebook, wenn es eingeschaltet ist. Zwischendurch aufs Klo gehen, ist nicht zu empfehlen. Dann liegt er auf der Tastatur und schreibt mit seinem Bauch emails an die NSA.
Übereinstimmung 100%
Dies ist der Grund, warum ich manchmal so seltsame Sachen twitter.
15. Streichel mich. Streichel mich. Streichel mich. BEISS! Ja, hier ist schön. Hier ist seeehr schön. Wunderbar. KRATZ!
Übereinstimmung Kinski: 0%
Übereinstimmung Kafka: 100%

16. Das Haarbällchen-Hochwürg-Geräusch, das selbst im Tiefschlaf Alarmbereitschaft auslöst.
Speiseröhrenförmige Würste im Flur und man freut sich, dass sie aus festen Haaren bestehen. Zuvor das wellenförmige urgsen und röhren. Hach, wenn sie einen morgens anlächeln, ist das alles vergessen.
Übereinstimmung: 100%

17. Ignoriert werden.
Ja. Eigentlich werde ich permanent ignoriert. Wenn ich nicht angestarrt werde. Das hält sich die Waage, daher
Übereinstimmung 50%

18. Sich beim Sex beobachtet fühlen. Weil man beobachtet wird.
siehe Punkt 17. Die machen da keinen Unterschied. Entweder man wird ignoriert, oder angestarrt. Dabei sind die Tätigkeiten, die man ausführt egal. Fußnägel schneiden, Rilke lesen, Sex haben; das ist den beiden egal.
Übereinstimmung 50%

19. Hinterhältige, nasenschleimhautperforierende Pupse. Das etwas, was so niedlich aussieht, derart stinken kann.
Sie pupsen nicht. Aber sie setzen Kot ab. Und der lässt einem schon die Tränen in die Augen treiben. Kleine biologische Waffen. Ganz rücksichtsvoll platziert, während man gerade das Abendessen vor sich stehen hat.
Übereinstimmung 50% (wegen des Nicht- Pupsens)
20. Sich für den Körperumfang des Stubentigers mit „Das ist bloß Winterfell“ oder „Er ist eben kastriert“ rechtfertigen.
Bei Kafka, ja. Kinski ist rank und schlank und hat einen gesunden BMI.
Übereinstimmung 50%

21. Keinen Karton stehen lassen können, ohne das die Katze ihn sofort in Besitz nimmt. Und anschließend in seine Einzelteile zerlegt.
Karton, Tüte, Kiste, Koffer, Tasche, Rucksack, Wäschetonne. Jedes Behältnis. Ich trug einst Kafka in der Wäschetasche bis in den Keller vor die Maschine. Jeden Tag rechne ich damit, dass einer von beiden mal mit ins Büro fährt. In einer Tupperdose.
Übereinstimmung 100%
Ich sollte einen Dawanda Shop mit Katzenkartons eröffnen und reich werden.
22. Wenn man die Katze finden will, legt man einfach frisch gewaschene und gebügelte Klamotten aufs Bett.
Ich suche die beiden selten. Weil sie mich meistens anstarren, oder irgendwo im Weg rumliegen- oder laufen. Das Wäsche- Ding stimmt natürlich trotzdem. Allerdings ist es fast egal, ob sie sauber oder dreckig ist. Die zwei haben gerne mehrere Schichten unter sich. Zur Not die Fernsehzeitung. Da kann man sich dann auch mal auf ein DINA4 Blatt kleinmachen, obwohl man ja sonst exakt so lang wie das Sofa ist.

23. Und schließlich das geheime Wissen: Die Menschheit bräuchte aufgrund der schier unendlichen Biomasse-Produktion keine Atomkraft mehr, wenn es gelänge, Energie aus Katzenhaaren zu gewinnen
Wenn ich irgendwann mal keine Arbeit mehr habe, kaufe ich mir ein Spinnrad und stelle Katzengarn her. Daraus gibt es dann schicke Pullover oder Rheumadecken. Meine Oma sagte damals zu unserer flauschigen Kartäuser Katze (nachdem diese auf ihren katen Füßen gelegen hatte) „aus dir könnte man sich n schönen Muff machen“. Keine schlechte Idee.

Wer das Stöckchen findet, darf es behalten!