Soloalbum

Kürzlich sagte eine gute Freundin zu mir: „Sei froh, dass du Single bist. Da musst du dich damit nicht rumärgern und kannst machen, was du willst.“

Hmm, tja. Wollen wir uns doch damit mal auseinander setzen (Achtung: Ernstes Thema!)

Nun, zugegeben. Ich kann machen, was ich will (naja, zumindest im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich will zum Beispiel auch Angela Merkel und Linkin Park abschaffen, da gehts schon los). Die voran gegangene These lässt nun den Schluss zu, dass man als Paar- Teil eben nicht mehr machen kann was man will. Gut, man sollte nicht unbedingt als „Single der Woche“ auftauchen. Auch hinsichtlich körperlicher Exklusivität sollte man nicht vertragsbrüchig werden. Dann wirds aber auch schon dünn mit den Einschränkungen.

Ich bin nun -bis auf einige mehr oder weniger zu vernachlässigende Episoden- schon relativ lange Single und sollte demnach ja frohlockend ob soviel persönlicher Freiheit über Blumenwiesen hüpfen. Ich kann alles machen was ich will. Hurra! Ich darf jede Nacht alleine schlafen. Ich muss mich nicht übers Fernsehprogramm streiten. Ich kann mir jeden Abend ganz alleine überlegen, was ich mir zu essen mache. Ich darf in den Urlaub fahren mit wem ich will, und wenn meine verpaarten Freunde zufällig gerade nicht mit Horst-Günther oder Sophie-Marianne in den Liebesurlaub fahren, dann muss ich das ganz vielleicht auch nicht alleine tun. Ich kann immer und alles ganz alleine für mich entscheiden. Wenn ich abends von der Arbeit komme, gibt es niemanden, der mich mit Fragen nervt, wie mein Tag war. Wenn ich nachts am Bahnhof ankomme, komme ich in den Genuss eines Abendspaziergangs, während die armen anderen Fahrgäste von irgendwelchen Klötzen am Bein vom Gleis abgeholt werden. Es gibt niemanden, der sich in mein Leben einmischt. Ja, das Singledasein ist ein wirklich großer Spaß. Und sind wir ehrlich: Auf Hochzeiten ist doch an dem Katzentisch für Ungebumste immer die größte Stimmung. Auch vorgedruckte Einladungen oder Glückwunschkarten, auf denen „Ihr“ und „Euch“ durchgestrichen ist und gegen „Dich“ und „Dir“ handschriftlich getauscht wurden, sind wirklich komisch. Da lach ich mich jetzt schon schief. „Wollen wir uns am Freitag treffen? Da ist Horst- Günther nämlich nicht da“ ist so ziemlich die herzlichste Einladung, die man so erhalten kann.

Ich weiß, ihr meint das nicht so. Und an sich habt ihr ja auch recht. Ich kann wirklich machen was ich will. Ihr seid vielleicht auch neidisch, dass ich jeden Abend eine Jogginghose anziehen kann und am Wochenende 17 Biere trinken kann, ohne, dass jemand das kommentiert. Aber vergesst nicht: Ihr könnt das auch. Und das sogar zu zweit.

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