Wer ficken will, muss freundlich sein.

In der Grundschule begegnete mir eine Geschichte, in der eine Frau Müller (Meier? Schulze? Baxwörner-Obergöbel?) des Morgens frech zu ihrem Postboten war. Der wiederum, verärgert, über die Schnodderichkeit ebendieser, ging missionarisch mit einer Laune wie eine offene Hose durch den Tag. Er war (eigentlich gar nicht mit fiesem Charakter gesegnet) pampig zur Supermarktkassiererin, rotzfrech zu allen nächsten Postempfängern und garstig zum Tankstellenwart. Letzterem begegnete Herr Müller (Meier? Schulze? Baxwörner? Obergöbel?), verärgert über ein solches Maß an Garstigkeit, so dass er mit einer Stimmung wie Jesus am Karfreitag, des Abends zu seiner Gattin heimkehrte (ja, in den Achtzigern ging der Mann noch Arbeiten, während die Dame des Hauses mit Kittelschürze bekleidet Kalte Schnauze zubereitete) und dieser förmlich die aufgestaute, durch stille (oder auch weniger stille) Post weitergegebene Mißlaune auf einem Silbertablett präsentierte. Das hatse nun davon, die olle Spinatwachtel.

Im wahren Leben, außerhalb von Drittklässlerparabeln, funktioniert das leider nicht so unmittelbar. Es gibt Menschen, die mit einer Widerwärtigkeit durchs Leben gehen, ohne, dass sie diesen Bumerang je zu spüren bekommen. Prinzipiell kann es einem ja auch egal sein, was der DHL Bote von einem denkt, der ja zunächst derjenige ist, der die eigene Unzufriedenheit und mangelnde Erziehung kennen und fürchten lernt. Anders denkt Frau Müller vielleicht darüber, wenn am nächsten Tag die neue Ausgabe der Hörzu als Origamiflamingo gefaltet im Briefkasten steckt. Die Pawlowschen Hunde hätten sicher nicht mit Speichelfluss reagiert, wenn beim Ertönen der Klingel nicht Futter, sondern eine ordentliche Tracht Prügel gewartet hätte. Je nach Größe des Versuchshundes hätte Pawlow den Nobelpreis vielleicht eher posthum erhalten. Dies mag als Hinweis für die Menschen taugen, die nicht von Natur aus mit einem vernünftigen Charakter gesegnet sind oder von Wölfen groß gezogen worden sind:

Wenn ihr auch schon nicht einfach so nett sein könnt, macht es doch einfach, weil ihr damit etwas erreicht. Bist du Chef, sei einfach mal nett zu deinen Angestellten. Die sicherste Methode, eine Firma in den Ruin zu treiben ist, die Angestellten zu behandeln wie einen Putzlappen. Ein Garant für schreckliche Nachbarn sind Beschwerden wegen Lärmbelästigung um 22:01. Die Dame beim Kundenservice ist bestimmt zuvorkommender, wenn nicht unerwähnt bleibt, dass euer Schwippschwager Anwalt oder Vorsitzender des Ministeriums für Verbraucherschutz ist. Ich muss das nicht weiter ausführen, oder? Ich denke, das ist leicht zu verstehen.

Seid doch einfach mal nett. Manchmal ist nett gar nicht die kleine Schwester von Scheiße.

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