Die unerträgliche Länglichkeit des Sonntags

Sonntage sind super. Sonntags läuft die Sendung mit der Maus. Und Tatort.

Leider ist dazwischen eine schier endlose Zeit, die gefüllt werden muss.  Die Standard Agenda eines Sonntags beinhaltet folgende feste Punkte:

Brötchen holen, spätes Frühstück (mit Ei und frisch gepresstem O-Saft), Fahrradfahren üben mit dem Sohn/der Tochter, leichtes Tennistraining, Coffee to go in der Altstadt (die Burberry Jacke will schließlich auch mal ausgeführt werden), ein veganes Mango- Lychee Eis auf die Hand und dann eine Tasse Tee auf dem heimischen Sofa. So will es das Gesetz.

Nun bin ich ja seit jeher ein Outlaw (und zudem nicht im Besitz einer Burberry Jacke), weswegen Sonntage bei mir eher …nunja… anders verlaufen (wobei das Verb „laufen“ schon einen falschen Eindruck meiner Sonntagsgestaltung impliziert).  An einem gewöhnlichen Sonntag lege ich (abhängig von den zu erfüllenden Grundbedürfnissen) 47 Schritte zurück. Sofa, Kühlschrank und Klo liegen nicht weit voneinander entfernt. Soviel schonmal dazu. Ich bin zudem sonntags überaus ungesellig, wahrscheinlich, weil ich samstags meistens etwas zu gesellig bin. Dabei würde ich es eigentlich ganz gut finden, wenn mir jemand Gesellschaft leisten würde. „Leisten“ ist hier wörtlich gemeint. Es würde sich hier um eine Dienstleistung handeln, denn von mir ist ja-wie erwähnt- keine große Geselligkeit zu erwarten. Über jemanden, der sich aber einfach mal so irgendwo in meiner Nähe platzieren wöllte, würde ich mich schon freuen. Er (oder sie) könnte dann miterleben, wie ich mich wahllos durch diverse Hitlerdokus und Terra X Wiederholungen zappe. Kaffeetrinkend. Hier ist es auch nicht von großer Bedeutung, ob die Sonne scheint oder nicht. Die Rollos sind sowieso unten. Stört ja sonst beim Fernsehen. Außerdem nervt auch der Blick auf die ganzen fahrradfahrübenden Väter in Tenniskleidung mit Brötchentüte unterm Arm. Ergo: Schotten dicht. Besser ist das. Mit Glück ist noch ein Stück kalte Pizza vom Vorabend da. Oder ein paar Erdnussflips. Die geben ein überaus nahrhaftes Frühstück ab. Naja, sie sind irgendwie Frühstück. Irgendeins.

So zieht sich der Tag wie zäher Kaugummi. Und während man so auf dem Sofa vor sich hinsiecht, gehen einem Abwasch, Steuererklärung, Wäsche und weitere überaus unappetitliche Tätigkeiten durch den Kopf.

ABER: Es ist Sonntag. Der Tag des Herrn. Am 7. Tage sollst du ruhen, keine Hose tragen und maximal leichtes Tennistraining bescheuerte Fernsehsendungen konsumieren. Und wenn es doch mal an der Tür klingelt, tust du so, als seist du nicht da (sondern einen Kaffee trinken in der Stadt) und streichelst zärtlich deine Jogginghose.

Vielleicht gibt es ja da draußen noch andere Menschen, die so ihre Sonntage verbringen. Dann sollte man sich vielleicht zusammen tun. Wir setzen uns gemeinsam aufs Sofa und sind in großer Gesellschaft ungesellig.

Dafür würde ich dann auch eine Hose anziehen. Vielleicht.

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