Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Eine Nebenwirkung des menschlichen Zusammenlebens ist die, dass man eben mit ihnen zusammen leben muss. Jetzt nicht unbedingt in einer Wohnung oder einem Bett, jedoch sehr wohl in einer Stadt, in einer Kneipe, einem Büro oder einem Freundeskreis. Man muss zwangsläufig irgendwie mit ihnen interagieren, ob man nun will oder nicht. Die einzige Möglichkeit, dem zu entkommen, ist die, sich wie der hutzelige alte bärtige Mann aus „The Life of Brian“ in eine Erdhöhle zu setzen und Wacholderbeeren zu essen. Schweigend. Kein schöner Gedanke. Also macht man besser die Not zur Tugend und erfreut sich am menschlichen Zusammensein. Ich zumindest.
Dazu gehört auch zwangsläufig ein gewisses Grundvertrauen. Nun muss man seinem Gegenüber nicht nach zehn Minuten von fiesen Genitalekzemen oder Schweizer Bankkonten berichten, aber man sollte ihnen schon soweit vertrauen, dass sie einem nicht im nächsten Moment das Pausenbrot klauen wollen. Sei denn, sie stehen maskiert und bewaffnet vor dir. In dem Moment ist eine Portion Misstrauen schon angebracht. Im Normalfall hat die Natur es aber ohnehin so eingerichtet, dass wir schon skeptisch werden, wenn man in so einer Situation steckt. Nehme ich an. Ich selber hatte bisher das Glück, bisher von solchen bösen Buben verschont geblieben zu sein.
Was natürlich nicht bedeutet, dass mir jetzt chronisch die Sonne aus dem Hinterteil scheint. Mir hat man auch schon einige Dinge (von Pausenbrot über Feuerzeug bis Fahrrad) geklaut. Man hat mich schon belogen, verarscht und mich anderweitig doof behandelt. Aber genauso gab es auch dann diejenigen, die das eben nicht getan haben. Zum Glück waren die bisher in der Mehrzahl.
Es mag also eine Schwäche von mir sein, dass ich zunächst einmal davon ausgehe, dass man nichts Böses im Sinn hat, wenn man sich mir in irgendeiner Weise nähert (Ausnahme: Ihr seid ganz erstaunlich nett und zuvorkommend: Dann muss an euch was faul sein!). Würde ja ohnehin nichts ändern. Wer ärgern will, der ärgert, ob man nun damit rechnet oder nicht. Es macht also keinen Unterschied, ob ich jemandem nun über den Weg traue oder nicht.
Im Gegenteil: Wenn man allen Menschen grundsätzlich unterstellt, dass sie am Familienschmuck interessiert sind, oder einem vor’s Schienbein treten wollen, sollte man sich vielleicht wirklich besser in ein Erdloch setzen. Dann ist man nämlich ein sehr unangenehmer Zeitgenosse. Und ich unterstelle eben diesen auch jetzt mal ganz keck, dass sie selber nichts anderes im Sinn haben, als anderen zu schaden.
Mit der Zeit lernt man vielleicht auch, Menschen einschätzen zu können. Ein bisschen zumindest. Denke ich. Hoffe ich. Mir bleibt ja auch nichts anderes übrig. Wenn ich mich nicht die nächsten Jahre von Wacholderbeeren ernähren will.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s