The hottest spot north of Havanna

„Du warst nicht wirklich am Samstag auf dem Vainstream, oder??“
So begrüßten mich die Kollegen am gestrigen Montag, als ich etwas gerötet und leicht erschöpft in den 3. Stock kroch.

Doch. War ich.
Ich bin mir selbst nicht ganz sicher, WIE bescheuert man sein muss, um sich bei fast vierzig Grad auf einen asphaltierten Platz zu stellen, um sich ab zehn Uhr professionell anschreien zu lassen. Aber nun. Die Karte war gekauft und bezahlt. Das Feldbett war gesichert und im Fernsehen lief tagsüber auch nichts Besonderes.
Also standen wir da und schwitzten die Nivea Sonnenmilch für Kinder mit Lichtschutzfaktor 50 aus, übergossen uns mit Wasser, legten uns nasse Feudel auf die Köpfe und hofften.
Darauf, diesen Tag zu überleben.
Nun ist man ja mit Ende Mitte dreißig auch eigentlich zu alt für den Scheiß. Und während die 19 jährigen den Tag mit Stagediving verbrachten (bei dem Sonnenmilchsabber auch sicherlich nicht ganz ungefährlich… „hoppla, da isser mir ausgeglitscht“), umkreisten wir einen von zwei Bäumen des Geländes entsprechend des Sonnenstands und hörten uns mehr oder weniger gute Bands an.
Ich als bekennender Musiknazi will nun keine Konzertkritik schreiben, das dürfen andere tun. Ihr könnt auch alle die Donots („aus Ibbenbüren!!“) gut finden und bei den 257ern mit dem Fuß wippen. Ich finde es grundsätzlich gut, wenn Musik eine Menschenmenge begeistern kann. Da ist es mir fast egal, ob das eine gute Band oder Helene Fischer ist.
Obwohl. Moment. NEIN. Bei Helene Fischer hört dann der Spaß doch auf.
Wir haben es überlebt. Alle. Und trotzdem fragt man sich am nächsten Tag, warum man sich das zumuten muss. Zum Beispiel, wenn man sich kleine Schottersteine aus den Füßen puhlt. Oder wenn man beim Duschen merkt, dass sich die Kopfhaut doch stellenweise ablöst. Wenn man morgens um vier den ersten Wadenkrampf hat und am nächsten Tag alle Knochen schmerzen. Warum setzt man sich noch zwei Stunden in einen Zug mit anderen Besoffenen und Junggesellinnenabschiedsteilnehmerinnen? Warum nimmt man in Kauf, dass es ein paar Tage dauert, bis alle Organe und Gliedmaßen wieder einigermaßen das machen, für das sie vorgesehen sind?

Weil es eben ein Festival ist. Und weil es Bier aus Plastikbechern gibt.
Darum.