#refugees welcome

Dies ist wahrscheinlich der 8746. Blogbeitrag zu den Geschehnissen der letzten Wochen. Egal. Es kann wahrscheinlich nicht genug davon geben. Ich könnte jetzt über Nazis schimpfen. Sehr gut sogar. Über Nazis schimpfen ist total einfach. Seitdem ich mit diesem rechten Pöbel immer wieder und wieder konfrontiert werde, weiß ich, wofür es die Caps Lock Taste gibt.
Man kann nicht genug darüber schimpfen. Da ist es mir auch egal, wer das tut. Selbst Til Schweiger hat bei mir ein paar Sympathiepunkte gesammelt.
Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Wenn ich in meiner handverlesenen Facebook- oder Twittergemeinde auf Nazis schimpfe, dann erntet dies allgemeine Zustimmung. Das ist natürlich erst einmal gut. Dumm nur, dass es genau die, die es eigentlich erreichen sollte, nicht erreicht. Und selbst wenn meine Freundesliste einige dieser Klappspaten enthielte, würde Schimpfen nicht helfen. Auch Argumente nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt irgendetwas helfen würde.
Die Oettinger Brauererei könnte vielleicht damit werben, dass sie für jede verkaufte Kiste Bier einen Euro für Flüchtlinge spendet. Das würde sie sicher nicht bekehren, aber zumindest ausnüchtern lassen. Und ärgern. Immerhin.

Ich bekam mit meinem Schulabschluss damals das Grundgesetz geschenkt, wie wahrscheinlich alle von uns. Vorausgesetzt, man HAT einen Schulabschluss. Darin steht ein Artikel, der eigentlich alles erklären dürfte: Artikel 1. Fertig. Keine weiteren Regeln nötig.
Diejenigen, die im Moment ihren Frust auf den nicht bestandenen Mofaführerschein oder das sechste uneheliche Kind an Menschen auslassen, die alles zurückgelassen haben, weil sie um ihr Leben fürchten mussten, haben scheinbar nicht einmal die Fähigkeit, diese sechs Wörter zu lesen und zu verstehen.
Bevor ich mir aber den ganzen Tag den Kopf zerbreche, was diesen widerwärtigen Menschen Verstand in die Wasserköpfe prügeln könnte, besinne ich mich lieber auf die Gegenseite:
In meiner Stadt haben Bürger in den letzten Wochen hunderte Pakete gepackt. Es werden Grillfeste für Flüchtlinge veranstaltet. Als hier vor ein paar Wochen eine Pegida Demo stattfinden sollte, war innerhalb weniger Stunden eine Gegendemo organisiert, die so viele Anmeldungen verzeichnen konnte, dass die Trottel mit ihren besorgten Ärschen direkt RTL2 guckend vor’m Fliesentisch geblieben sind. Im Januar gab es bei Eiseskälte eine Demonstration als Reaktion auf Dresden und Co. Über 10.000 Bielefelder haben sich dort den Hintern abgefroren.
Als ich meiner Mutter erzählte, dass hier Pakete mit Haushaltswaren gesammelt werden, hat sie innerhalb weniger Tage ihr halbes Haus leer geräumt. Die Halle, in der ich die Kartons schließlich abgab, quoll über.

Es ist schlimm, dass es Arschlöcher gibt. Aber es gibt mehr Nichtarschlöcher als Arschlöcher. Und wenn sich Herz und Hilfe der Nichtarschlöcher noch steigern, dann können wir den Pöbel vielleicht irgendwann ruhig stellen.
Daran versuche ich zu denken, wenn ich die Tagesthemen gucke. Und ich hoffe, dass die Menschen, die hierher kommen, das auch merken. Vielleicht nicht in Freital. Sicher nicht in Heidenau. Aber vielleicht wenigstens hier.

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