Zu Gast bei Anne Will

Diese Woche war ich zu Gast bei Anne Will. Zumindest auf der Meta Ebene. Oder auch auf der Facebook Ebene.
Ja, ich habe es getan. Ich habe mich auf eine Diskussion bei Facebook eingelassen. Auf eine politische Diskussion. Auf eine politische Diskussion über Flüchtlinge. Ich wurde verführt. Und nun saß ich im Anne Will Studio. Weitere Gäste: zwei Personen aus der Mitte der Gesellschaft. Und die fanden mich offensichtlich ganz schön scheiße. Bereits nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass das nicht meine Freunde werden, obwohl mir Facebook suggerierte, dass sie das schon zu sein schienen.
Ich hatte mir erlaubt, einen völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Zeitungsbericht, der gepostet wurde, in Frage zu stellen. Genauer gesagt wies ich darauf hin, auch mal auf den Link zu klicken, um den sich hinter der Schlagzeile verbergenden Artikel auch zu lesen. Schon fand ich mich in diesem Anne Will Studio wieder. Die beiden Gäste aus der Mitte der Gesellschaft beschwerten sich nun darüber, dass ich mit einer Nazikeule schwingend kriminelle Flüchtlinge verteidigte. Nach zahlreichen Fallbeispielen, Erfahrungsberichten, „die haben auch gesagt“  Sätzen und militärischen Analysen wurde es dann sogar emotional im Studio. Einige Gäste seien kurz davor, das Land zu verlassen, weil hier alles furchtbar schlimm und schrecklich ist und es wird „da oben“ (mit gestischem Hinweis auf die Studiodecke) sowieso wahlweise NICHTS!!!! oder alles falsch gemacht.
Ich war im Geiste übrigens immer noch bei dem geposteten Zeitungsartikel. Mir fehlt es da wirklich an Schlagfertigkeit.
Ich stellte danach die simple Frage, wie sie es denn ändern würden und war mir der Brisanz dieser Frage im Klaren. Aber ich war mir sicher, dass ich die möglichen Antworten verkraften könne.
Nach weiteren kurzen Exkursen in Weltpolitik, den Einfluss von Putin und Obama auf unsere PEGIDA Stimmung und diversen anderen, nach Aluminium verlangenden Ideen, kamen beide Gäste schließlich zu dem simplen Konsens: „weiß ich jetzt auch nicht, wie ich es machen würde. Du?“
Da war erstmal Stimmung im Studiopublikum.
Ich dachte immer noch über den geposteten Zeitungsartikel nach, um den es ursprünglich mal ging. Schon hängt wieder der Obama da mit drin. Oder Putin. Oder wahrscheinlich sogar beide gemeinsam.
Ich listete ein paar Integrationsmaßnahnen auf, nachdem ich nochmals daran erinnerte, dass ich nie Änderungen eingefordert hatte, sondern lediglich diesen verdammten, grundverfluchten Zeitungsartikel in Frage gestellt hatte. Dann lief auch schon der Abspann und die Diskussion war beendet.

Komische Sendung, dachte ich. Aber den anderen Gästen hat es vielleicht ja gefallen. Sie konnten was erzählen. Sie hatten was zu erzählen. Über die unterschiedlichsten Themen. In einer einzigen Sendung, in der es um einen Zeitungsartikel ging. Sie konnten ihr „Dagegen!“ Plakat in die Facebook Kamera halten. Nur wogegen genau, das wussten sie leider nicht. Und dann war die Sendung ja auch schon vorbei. Bevor es zu den Lösungen kam.
Aber vielleicht wollten sie auch gar keine Lösung.
Das ist vielleicht wie bei diesem Missverständnis zwischen den Geschlechtern: wenn Frauen traurig sind, suchen Männer nach einer Lösung, während die Frauen nur getröstet werden wollen. Zurück transferiert würde das bedeuten:
Mann, sind Frauen manchmal bescheuert!

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