Mozart privat: 6 Tage Salzburg

Wir fuhren nach Salzburg. Spontan. Weil wir die Reise für jemanden antraten, der nicht konnte. „Kommste mit?“ wurde ich gefragt und ich antwortete „Joo. Warum nicht?“. Zum Glück. Denn:

Salzburg ist eine ganz wunderbare, niedliche, sympathische , vielfältige, entspannte Stadt. Man kann seine Tage dort auf so unterschiedliche Art und Weise verbringen, wie man es wohl in wenigen Städten tun kann. Wenn man will, kann man 6 Tage auf Berge steigen (und wieder hinab), man kann eine Woche lang zwischen Museen und Konzerthäusern hin- und herlaufen. Man kann wahrscheinlich sogar eine ganze Woche im Naturkundemuseum verbringen, und hat immer noch nicht alles gesehen. Man kann auch 6 Tage lang an der Salzach sitzen und Bier trinken.

Haben wir alles gemacht. Kombiniert.

Der große Vorteil Salzburgs ist (abgesehen von der Salzach, die mitten durch die Stadt fließt, als Bielefelder findet man ja jedes Rinnsal super, da ist die Salzach schon High End), dass man so gut wie alles auf Schusters Rappen erreichen kann. Es ist nämlich alles schon klein. Schön nah beieinander. Da wir beide einen sehr schlechten Orientierungssinn haben, kam es uns an der ein oder anderen Stelle größer vor, aber das ist eine andere Geschichte.

Um es nicht unnötig in die Länge zu ziehen, hier also in „Stichis“ meine ganz persönliche Top Ten aus Salzburg:

1_Burgen, Schlösser und Parks
In Salzburg ist die Monarchie noch allgegenwärtig. Prunkvolle Bauten, barocke Gärten und beeindruckende Sakralbauten reihen sich aneinander. Am Domplatz stehen Kutscher. Und die haben nicht einmal adidas Sneaker an, sondern sind traditionell gekleidet. Es ist eine kleine Zeitreise.
Dom, Festung und Schloss Mirabell (bzw. die Gärten am Schloss) sind Pflicht!

2_Mozart
Ich konnte mit der Musik Mozarts nie etwas anfangen. Zu viele Noten. Zu viel Gefiedel. Zu viel Tüdeldü. Das hat sich mit meinem Besuch in Salzburg auch nicht geändert. Aber ich weiß jetzt, wie hochbegabt er gewesen sein muss. Er hat in einem Alter Opern komponiert, als ich noch auf Bäume geklettert bin und „Spaß am Dienstag“ geguckt habe. Naja, jeder muss halt was können. Und er hatte ja auch nicht viel Zeit zum Komponieren, weil er (wie wir ja alle wissen) als Mittdreißiger an „hitzigem Frieselfieber“ starb (ich glaube, das ist der höfische Terminus für ’ne anständige Syphilis, bin aber nicht ganz sicher).
Man kommt an Mozart nicht vorbei, wenn man in Salzburg ist. Er ist allgegenwärtig. Und auch, wenn man die Musik nicht mag, sollte man sich sein Geburtshaus ansehen. Und Mozartkugeln essen. Aber das muss ich nicht extra erwähnen.

3_Apropos Essen
Ich mag nicht nur Mozart nicht, ich mag auch nicht gerne Mehlspeisen. Daher müssen meine kulinarischen Tipps Kaiserschmarrn und Salzburger Nockerln umschiffen. Das müsst ihr bitte selber testen. Ich kann euch nur empfehlen, Käs’spätzle und Schnitzel zu essen. Und was mit Marille. Marille geht immer. Und Bosna. Und diverse Dinge aus Fleisch auf Brötchen. Das können die Österreicher nämlich ziemlich gut. Und Sülze können sie auch. Hab ich mir sagen lassen.

4_Berge
Berge sind immer dann ganz gut, wenn man drauf steht. Sonst wirken sie auf mich ganz schön bedrückend. Ich sehe ganz gerne einen Horizont. Nun liegt Salzburg dummerweise zwischen zwei Bergen, beziehungsweise in einem der beiden sogar drin. Wenn man das weiß, ist das sehr charmant.
Man sollte auf jeden Fall mit der Festungsbahn den Mönchsberg hochfahren. Und dann runter gucken. Am besten von der Stadtalm aus. Das ist ein Erlebnis. Ebenso wie ein Besuch der Festung (unbedingt mit Führung machen!).

5_Märkte
Einheimische trifft man auf Märkten. Deshalb finde ich Märkte gut, um die Kultur eines Landes oder einer Stadt kennen zu lernen. Essen ist schließlich Kultur. Und Salzburg hat eine noch ziemlich ursprüngliche. Gerne hätte ich das schon sehr greise Ehepaar auf dem Schrannenmarkt am Schloss Mirabell fotografiert, welches selbst gebrannten „Zirbenschnaps“ in kleinen, mit Edding beschrifteten Flaschen feil bot. Hab mich aber nicht getraut. Statt dessen haben wir uns lieber ein paar regionale Würstchen schmecken lassen.

6_Schloss Hellbrunn und Zoo
Zoos sind immer gut. Da muss ich nicht viel zu schreiben. Und praktisch ist, dass der Zoo zwar etwas außerhalb, dafür aber direkt neben dem Schloss Hellbrunn liegt. Das kann man wunderbar verbinden und zu einem Tag zusammen fassen. Hellbrunn ist quasi die Neverland Ranch des 17. Jahrhunderts. Unbedingt hin! Am besten, bei schönem Wetter. Und Kleidungsstücke vermeiden, die bei Nässe transparent werden.

7_Bräustüberl
Wer noch nie eine Brauerei besichtigt hat, dem sei die Stiegl Brauwelt ans Herz gelegt. Bestandteil der Salzburg Card (die ich jedem empfehlen würde!) und wirklich anschaulich gemacht und mit viel Enthusiasmus erklärt. Und mit Bier macht man ja per se nicht viel falsch. Das kann man in Salzburg auch gut und reichlich trinken. Zum Beispiel im Augustiner Bräustüberl. Oder auch überall anders.

8_den lieben Gott ’n guten Mann sein lassen
Durch die Gassen spazieren. An der Salzach sitzen. Mit einem Boot über die Salzach fahren. Schlendern. Ein Helles trinken. Auf der Dachterrasse des „Hotel Stein“ über die Stadt gucken und sich einen Sonnenbrand im April holen. Durch die Mirabellgärten schlendern. Und dann auch mal wieder ein Helles trinken. Zum Beispiel an der Salzach.

9_Museen, die überhaupt gar nix mit Salzburg zu tun haben, aber trotzdem ganz zauberhaft und großartig sind.
Wie zum Beispiel das Haus der Natur am Fuße des Mönchsbergs. Unbedingt genug Zeit einplanen. Es gibt viel zu sehen. Und es ist auch alles gut. Wir mussten leider ein Stockwerk auslassen, weil wir uns zeitlich vertüddelt hatten. Im hauseigenen Zoo. Oder im Aquarium. Oder bei den Dinosauriern.Oder bei der Mondlandung. Ich weiß es nicht mehr genau.

Nicht weniger großartig ist das Spielzeugmuseum. Sehr schön für Kinder. Und für uns infantile Mädchen. (Vielleicht hatte Punkt 7 und 8 auch Einfluss auf unsere Begeisterung). Nein, im Ernst. Das Spielzeugmuseum ist wirklich ein Tipp. Interaktiv, informativ und ganz ganz bezaubernd gemacht. Von ausgestellten historischen Spielzeugen (inklusive der detailliertesten Puppenhäuser, die ich je gesehen habe), über selbst zu tätigende Schattenspiele, bis hin zu einer großen Ausstellung zum Thema „Holz“ ist alles dabei.

Eigentlich waren wir nur im Weihnachtsmuseum, weil wir gerade in der Nähe waren. Und wahrscheinlich musste eine von uns Pipi. Und es war ebenfalls Bestandteil der Salzburg Card. Also rein da. Mit Sonnenbrand. Es handelt sich um ein kleines Museum, in dem man sich trotzdem lange aufhalten kann, wenn man möchte. Denn es handelt sich um eine ziemlich einzigartige Sammlung. Christbaumschmuck zur Kaiserzeit und Weihnachtsbäume als Feldpost für die Soldaten an der Front sieht man nicht alle Tage.

10_Souvenirs
Mozartkugeln gibt es ja inzwischen an jeder Ecke, damit lockt man keinen mehr. Natürlich kann man irgendwas kaufen, wo Mozart draufgeklöppelt ist. Es gibt genug.
Darüber hinaus gibt es aber zum Beispiel einen Zotter Schokoladenladen, der alles hat was das Herz begehrt. Mitbringen kann man zudem diverse Spezialitäten vom Schrannenmarkt, Mirabellenkonfitüre, Obstler, irgendwas mit Zirben und natürlich Bier. Unsere Rucksäcke klimperten auf jeden Fall beachtlich, als wir nach 6 wunderbaren Tagen unseren Zug bestiegen, der uns wieder zurück bringen sollte.

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Rassisten?

Sie werfen Brandsätze auf Häuser.

Sie johlen und grölen, wenn Polizisten Gewalt gegenüber Menschen ausüben.

Sie haben Angst vor dem Untergang des Abendlandes.

Sie wollen nicht, dass ihre Kinder zusammen mit Kindern aus anderen Ländern in die Schule gehen. Sie haben Angst, dass das Martinsfest bald Lichterfest genannt werden muss.

Sie finden, dass man den Flüchtlingen schon helfen muss, wenn es wirklich echte Flüchtlinge sind. Aber doch nicht ausgerechnet direkt bei ihnen in der Straße.

Sie finden, dass man alle sofort zurück schicken muss, wenn sie irgendwie kriminell werden.

All das sagen sie auch öffentlich. Schließlich ist hier ja Meinungsfreiheit. Toll, so eine Demokratie. So facettenreich diese Menschen sind, so viele Abstufungen auf der Skala von schwarz bis weiß gibt es. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie sind auf gar keinen Fall Nazis!

Rassisten? Nee, das sind wir nicht. Wir sind ja alle total unpolitisch. Wir haben noch nie gewählt, damit können wir das beweisen. Wir haben uns schließlich auch sonst nie politisch geäußert. Und jetzt reicht das eben auch mal.Weil die (die wir weder gewählt noch nicht gewählt haben), sich ja nicht für uns interessieren. Und deshalb haben wir jetzt den Salat. Jahrelang habe ich auf dem Sofa gesessen und mir das angesehen. Nu is gut. Das hat ja jetzt nichts mit Rassismus zu tun.

Ähm. Doch! Und ihr müsst auch gar nicht so eine Angst vor diesem Begriff haben. Es gibt vielleicht nicht „den Rassisten“. Naja, vielleicht gab es ihn mal. Aber der is ja nu hin. Rassistische Handlungen, die gibt es sehr wohl. Und es gibt rassistische Gedanken. Und es gibt rassistische Sprache. So kann man das vielleicht aufclustern. Und wenn man es zusammensetzt, dann entsteht da etwas sehr Gefährliches.

Etwas, das mir ganz schön Angst macht. Aber ich bin ja auch in den Augen vieler ein Gutmensch. Einer der sich immer noch dafür entschuldigt, dass sein Großvater zufällig in eine falsche Generation hereingeboren ist. Vielleicht verstehe ich das deshalb nur nicht.