Vitamin D

Letzten Sonntag trank ich meinen ersten Outdoor Kaffee im Garten einer Freundin. Es war der 1. Mai und es war warm. Also, nicht so heizungswarm, sondern richtig. Zweistellige Temperaturen. Ich trug Sonnenbrille und T-Shirt.
Auf dem Rückweg roch die Luft im Viertel nach Grillfleisch. Überall waren jut druppe Menschen ebenfalls mit Sonnenbrillen unterwegs. Ohne Ohrenwärmer und ohne Schal. In einem Gemeindezentrum fand irgendwas Afrikanisches statt. Mit Trommeln und bunter Bekleidung. Ein Ehepaar jenseits der 80 spazierte in beiger aber durchaus luftiger Kleidung Eis essend die Straße entlang.
Gestern setzte ich noch einen drauf: Das erste Outdoor Bier stand im Outlook. Halb vier Anstoß. Sicherheitshalber mal ne Jacke mitnehmen. Man weiß ja nie. Gefroren habe ich allerdings erst abends auf dem Sofa. Weil ich einen kleinen Sonnenbrand hatte. Nichts Ernstes. Vielleicht ein Sonnenbrändchen. Ich bin eben nicht so der südländische Typ.

Früher war mir Wetter immer ziemlich egal. Regen und Sturm fand ich zwar doof, aber solange ich nicht gerade eine Fahrradtour durch einen Weltuntergang machen musste, interessierte mich das eigentlich nicht weiter. War dann eben doof. Dieser gefühlte 8-monatige Winter hat das offenbar geändert. Auf jeden Fall stelle ich in den letzten Tagen etwas Merkwürdiges an mir fest: Gute Laune! (Huch)
Heute morgen brauchte ich keine Jacke und ich konnte die Fensterscheiben im Auto herunter kurbeln, ohne von Hagel oder Schnee getroffen zu werden. Die Vögel tschilpten und sogar die „Hu Huuu Hu“ tönende Taube, die seit einiger Zeit auf meiner Fensterbank rumwohnt, inspirierte mich heute ausnahmsweise nicht zu Luftgewehr- Szenen. Noch vor zwei Wochen haderte ich mit der Welt, wenn der Wassertank meiner Kaffeemaschine leer war. Heute nicht. Und gestern auch nicht. Und morgen hoffentlich auch nicht.
Nicht einmal die Tatsache, dass ich nach der Arbeit ein Paket am Arsch der Welt abholen musste, konnte mich verärgern. Auch nicht die Erkenntnis, dass am Arsch der Welt noch Mittagspause bis 15 Uhr herrscht und ich (natürlich) zu früh vor Ort war. Statt dessen ging ich in der Wartezeit federnden Schrittes zur Erdbeerbude um die Ecke.
Jetzt ist nämlich Sommer! So richtig!
Wenn ich in Chemie besser aufgepasst hätte, könnte ich euch jetzt vielleicht die Zusammenhänge besser erklären. Sicher ist, dass das Wetter wohl in meinen Synapsen mal ordentlich durchgefeudelt hat. Frühjahrsputz sozusagen. Und wo großreinegemacht wurde, ist wieder Platz für Serotonin und andere nützliche Dinge.
Und während die Kater alle Viere von sich gestreckt in Rückenlage meinen Küchentisch blockieren, gucke ich mir einen Strauß Tulpen an und esse Erdbeeren. Und lasse den lieben Gott ’n guten Mann sein.
Aber keine Angst. Sobald die Temperaturen über 25° steigen, bin ich wieder die Alte und schimpfe vor mich hin. Versprochen!
Und jetzt entschuldigt mich, ich muss jetzt kurz sehr laute Musik hören.

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