Kommando: Entspannung!

„Entspannense sich mal“ gab mir kürzlich ein weiser Medizinmann auf den Weg. „Fahrense ans Meer oder legense sich innen Garten oder sowas.“

Hm. Entspannen. Das hat mir gerade noch gefehlt.
Ich, die bei den Abschluss-Stretching-Übungen beim Sport schon nervös auf die Uhr guckt.
Die sich beim Frisör jedes Mal fragt, warum die so lange an den Haaren rumwaschen müssen. Ich war wohl häufiger im Ausland als in einer Badewanne (und ich war nicht oft im Ausland). Der letzte Entspannungsversuch bestand aus der CD „autogenes Training“, hier muss man abwechselnd in irgendwelche Körperteile atmen, was mir nach 3,5 Minuten so auf die Nerven ging, dass ich so unentspannt war wie wohl niemals zuvor.

Jetzt hatte ich also den Salat. Aber wenn schon entspannen, dann wenigstens im Wasser. Also besuchte ich heute ein Salzwasserbad. Nein, falsch, eine Salzwasser-Thermenlandschaft. Mit Sauna und alles. „Entspannung pur“ ist deren Slogan. Na dann.

Nachdem ich mich an der Kasse entschieden hatte, ob ich mich 2 oder 3 Stunden oder den ganzen Tag entspannen wollte, fing ich mal mit dem Einfachsten an. Schwimmen. Das kann ich, da weiß man was man hat. Danach ging dann aber der Stress schon los: Supersolebad („genießen Sie die Schwerelosigkeit und die sanfte Unterwassermusik“, vor allem aber das Geschrei von Kindern mit Salzwasser im Auge), Warm- und Kaltwasserbecken, Dampfbad und diverses anderes Wellnessgebade. Und während man dann so schwerelos im Supersalzwasser liegt, kann man in aller Ruhe mal drüber nachdenken, was man noch alles so machen müsste. Unter anderem Klopapier kaufen. Bloß nicht vergessen. Nein, im Ernst. Es fallen einem schon nützliche Sachen ein, wenn man so entspannt.
Zum Beispiel, dass man das Licht am Auto nicht ausgemacht hat (nein, mein Auto piept nicht, wenn man es vergisst).
Nunja, raus aus dem Becken, Handtuch umwerfen, Schlüssel holen.
„Ähm, Entschuldigung, lassen Sie mich gleich wieder rein? Ich hab das Licht am Auto angelassen.“
„Ja, wollen Sie denn SO nach draußen?“
Was denkt die denn? Ich habe doch nur zwei Stunden Zeit um mich zu entspannen und wenn ich mich jetzt erst anziehe und mir die Haare trockne sind die zwei Stunden doch um! Ist eh schon alles ganz schön knapp mit der Entspannung, weil ich ja einen halbe Stunde mit Bahnenschwimmen verplempert habe und jetzt wird’s langsam ganz schon eng mit der Entspannungszeit!
Ich flipflopte also mit Handtuch zum Parkplatz (ja, man wird komisch angeguckt, sogar in Bad Salzuflen), machte das Licht aus („hoffentlich rechtzeitig“) und flipflopte zurück.

Jetzt aber entspannen. Dampfbad. Verweildauer 10-20min, so steht es an der Tür geschrieben. Und dann saß ich da.
Zehn Minuten können verdammt lang werden, wenn man so sitzt. Ohne was dabei. Acht hab ich geschafft. Schließlich musste ich auch noch Zeit für die Heiß/Kalt-Wechselbecken einplanen. Was ein Stress.
Kurz vor Ablauf der zwei Stunden dann unter der Dusche gemerkt, dass ich weder Shampoo noch Duschgel mit mir führte. Das lieh mir dann eine etwa 140jährige niedliche Omi mit dünnen Pommesbeinchen im Tierprintbadeanzug mit Tiffy Badekappe. (Erstaunlicherweise sind Rentner in Badebekleidung nicht beige, sondern das genaue Gegenteil, gibt es da schon Studien zu?)
Ich bilde mir ein, ein wenig nach Kölnisch Wasser zu riechen und meine Haare haben vielleicht auch einen leichten Stich ins Violett, aber das nur am Rande.

3 Minuten vor Ablauf der zwei Stunden passierte ich das Ausgangsdrehkreuz. Kurze Zeit später saß ich wieder in meinem Auto.
„Jetzt aber erstmal in Ruhe eine rauchen.“
Und so richtig tiefenentspannt war ich dann, als der Motor gleich beim ersten Versuch ansprang.

Hurra. Es hat funktioniert.

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Ein Kommentar zu “Kommando: Entspannung!

  1. Lutz sagt:

    Kommt mir bekannt vor, geht mit GANZ GENAUSO!

    Gefällt mir

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