Schonmal gegessen?

Es gibt wahrlich unappetitliche Gerichte. Dinge, die schlimm riechen zum Beispiel. Jeder, der schon einmal einen Appenzeller Käse über mehrere Tage im Kühlschrank zu liegen hatte, wird mir da beipflichten. Zudem gibt es Dinge, die eine etwas, naja, unappetitliche Entstehungsgeschichte haben. Lebensmittel, die erst schimmeln, fermentieren oder leicht verwesen müssen, damit sie richtig lecker werden. Und dann gibt es noch Gerichte, die einfach nicht schön aussehen. So eine hingeklatschte Erbsensuppe beispielsweise. Da kann man noch so viele Balsamicospiegelchen drumrum machen, es ist und bleibt eben eine Erbsensuppe.

Jetzt kann man auf diese ganzen hässlichen Nahrungsmittel natürlich verzichten, und sich statt dessen jeden Tag ein Stückchen Filet zubereiten. Oder Forelle Vierkant. Das sieht vernünftig aus und man weiß was drin ist (angeblich). Auf jeden Fall weiß man aber, dass man das Beste vom Tier auf dem Teller hat. Den Rest sollense mal ruhig ins Hundefutter rühren oder nach Afrika schicken. Da ist das Essen ja- so sagt man- knapp.

Nun habe ich ostwestfälische Vorfahren. Und Vorfahren, die den Krieg miterlebt haben. Von einem Schwein ist theoretisch alles essbar, abgesehen von Krallen und Borsten. Zur Not muss es eben tüchtig durchgemöllert werden. Und dann rührt man noch ein bisschen Grütze rein und dann wird das schon schmecken.

Tut es. Ich aß als Kind gerne Wurstebrei, wenn wir bei Omma im Raum Paderborn waren. Und ja, das sieht aus wie schonmal gegessen. Ein Armeleute-Essen wie aus dem Bilderbuch. Immer wenn wir die Verwandten besuchten, importierten wir uns Vorräte. Umso mehr freue ich mich darüber, dass meine Wahlheimat Bielefeld ebenfalls Wurstebreiregion ist.

Ich freute mich ebenfalls, in Schottland Haggis essen zu dürfen. Irgendwann probierte ich dann Labskaus und so nach und nach entwickelte sich ein traditionelles „Wir essen und probieren Sachen, die aussehen wie schonmal gegessen.“

Und irgendwann standen wir dann vor so einer Pfanne mit „Toter Oma“ und bedauerten, dass dieses wahrhaft leckere Essen nicht gerade instagramtauglich ist. Es besteht also durchaus die Gefahr, dass all diese Köstlichkeiten irgendwann in Vergessenheit geraten, weil man sie nicht mit Ruccola, Pinienkernen und Parmesamhobeln schick präsentiert bekommt.

Und weil es derer mehr gibt als man glaubt, werde ich in unregelmäßigen Abständen von unseren wagemutigen Experimenten berichten. Inklusive Zubereitungsempfehlung und geschmacklicher Bewertung. Wir haben schon viel getestet, aber ganz sicher noch lange nicht alles. Scheinbar hat jede Region da ihren eigenen Geheimtipp. Für Anregungen sind wir immer zu haben, einziges Kriterium ist, dass es eben aussieht, als hätte es jemand schon mindestens einmal gegessen. Die Zähne sollte man also im Glas lassen können.

Und Fotos gibt es trotzdem, ob ihr wollt oder nicht.
(Für diverse andere Lebensmitteltests empfehle ich übrigens Versuche von Miss James. Zudem danke ich Herrn G. für die Versuchsbegleitung und Überwachung.)

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Ein Kommentar zu “Schonmal gegessen?

  1. Wurstebrei? Bei meiner ostwestfälischen Omma hieß eine vermutlich ähnliche, leberwurstartige Köstlichkeit Stippgrütze – wurde serviert in einer großen, mitten auf dem Tisch platzierten Pfanne, in die jeder Graubrot stippte – ohne Umweg über Teller.

    Meine Großeltern hielten ein oder zwei Schweine, die immer im späten Herbst in der Waschküche ihr Leben lassen mußten, meine vornehme Aufgabe als Kind war das Rühren des Bluts für die Blutwurst – auch sehr lecker. Diesen Waschküchen-Geruch – Seife, Blut, Majoran – habe ich noch heute in der Nase und bin froh über das frühkindliche Wissen, daß Fleisch und Wurst nicht über Nacht in Supermarktkühltheken wächst.

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