Tonight: Töttchen

Da habe ich 15 Jahre im Münsterland gelebt, ohne ein einziges mal Töttchen gegessen zu haben. Erst auf einem Weihnachtsessen vor einigen Jahren wagten wir uns an eine Bestellung in einem traditionellen Münsteraner „Essen wie bei Omma“ Restaurant.
„Seid ihr sicher?“ fragte uns damals der Kellner.
Waren wir. Obwohl uns diese Nachfrage schon etwas verunsicherte. Aber vielleicht war der Keller einfach nur überrascht, dass da 15 Mädels saßen, die Töttchen, Sauerbraten (vom Rind, wer im Münsterland Pferde isst, wird wahrscheinlich geteert, gefedert und anschließend an der Lambertikirche aufgehängt), saures Zwiebelfleisch und ne Menge Obstler bestellten (und nicht wie vielleicht üblich einen kleinen gemischten Salat und eine Weißweinschorle).
Kurz und gut. Das war lecker. Auch wenn es wirklich und wahrhaftig aussah wie Erbrochenes.
Das musste ich also auch Zuhause testen. Ich importierte also zwei Portionen, die meine Mutter bei einem lokalen Metzger bezog. Die Verpackung war leider nicht beschriftet, der Metzger hatte lediglich ein Stück in Folie verschweißt, daher habe ich bis heute keinen Schimmer, was wir da nun aßen. Allerdings war das ja nun damals im Restaurant genauso.
Töttchen besteht klassisch aus diversen Innereien, vor allem Lunge oder auch einem Kalbskopf, früher inklusive Hirn. Letzteres kann man heute ausschließen. Zum Glück, denn bei Hirn hört sogar bei mir der Spaß auf. Inzwischen gibt es wohl auch zahlreiche Zubereitungen, bei denen lediglich Kalbs- und Rindfleisch verwendet wird. Klein gehäckselt sieht man die Inhaltsstoffe ohnehin nicht mehr. Und ehrlicherweise bin ich mir auch nicht sicher, was der Fleischhändler hier so in meine Bratwurst rührt. Also muss man vielleicht auch einfach mal entspannt und unvoreingenommen an so eine Speise herangehen.

Wie dem auch sei. Der Klotz gefrorenen Erbrochenes hatte sich über Nacht in eine geleeartige Masse verwandelt und war nun breit für die Pfanne. Ein wenig erinnerte es an Katzenfutter, also ein Katzenfutter der gehobenen Art, bei dem man noch Fleischfasern erkennen konnte. Nach einer Weile in der Pfanne wurde das Gelee zu Brei, das kannten wir ja bereits von anderen Experimenten.
Auf dem Teller kombinierten wir es (wie sich das laut Internet und Münsteraner Gastronomie gehört) mit Graubrot und Gürkchen. Ein Schuss Worcestersauce kann auch nicht schaden.
Geschmacklich unterschied es sich doch deutlich von meinem ersten Töttchen Experiment. Hier wird wieder deutlich, dass es sich eben um ein Handwerksprodukt handelt, das bei jedem Metzger anders schmeckt. Es ist eben kein Mc Donalds Cheeseburger, der in Kiel genauso schmeckt wie in Passau.
Durch die Einkocherei mit Zwiebel und Essig hat es eine säuerliche Note, die für unseren Geschmack bei dieser Version ein wenig zu penetrant anmutete (insbesondere in Kombination mit der Optik).
„Gewöhnungsbedürftig“, „nicht schlecht“ und „muss ich jetzt nicht täglich haben“ – aus diesen drei Zitaten lässt sich vielleicht ein Fazit ableiten.
Wenn ich aber das nächste Mal in der Heimat bin, teste ich sicherlich noch eine zweite Variante. Von einem anderen Metzger. Oder in einer Gaststätte. Und dazu gibt es dann nicht nur Graubrot und Gürkchen, sondern vielleicht auch wieder ein, zwei Obstler.

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Labskaus- „das ist mit Fisch, oder?“

Labskaus

Naja. Ja. Und nein. Nicht unbedingt. Es sei denn, man zählt den Rollmops mit, den man wahlweise anbei isst. Ansonsten hat Labskaus nicht zwingend mit Fisch zu tun. Warum sich das Gerücht so hartnäckig hält, weiß ich nicht. Vielleicht, weil es optisch an Heringssalat erinnert. Vielleicht, weil es im Norden, vor allem an der Küste beheimatet ist.
Es ist jedenfalls fischlos. Zumindest die deutsche Variante. Auch hier scheint es aber nach meinen Recherchen wieder zig Variationen zu geben. Labskaus ist im Gegensatz zu den meisten anderen Gerichten, die aussehen wie schonmal gesessen, auch eines, bei dem man noch selbst kocht und nicht nur Fertiges erwärmt.
Bisher habe ich Labskaus immer nur kochen lassen, habe aber mitbekommen, dass man zunächst Corned Beef anbrät. Sobald ebendieses nicht mehr nach Katzenfutter riecht, verrührt man es mit mikroskopisch klein gewürfelter Roter Bete und saurer Gurke, schüttet etwas von den jeweiligen Einlegsäften hinzu und vermischt es dann mit parallel hergestellten Stampfkartoffeln. Im Prinzip.
(Die Dänen möllern wohl auch noch einen Hering mit rein, da kommt dann der Fisch ins Spiel, auf den man aber durchaus auch verzichten kann, wenn man will. Aber in Zeiten, in denen man sich Garnelen aufs Steak legt, sollte man auch nicht das Gesicht verziehen, wenn man Hering und Corned Beef kombiniert.)
Labskaus ist wirklich ein sehr leckeres Essen, das man unbedingt mal testen sollte. Am besten bestellt man es mal beim nächsten Urlaub an der See. Aber auch im wasserarmen Bielefeld ist es sehr leicht herzustellen (und auf jeden Fall besser als die Konserve, die ich nach einem Wangerooge Trip mitbrachte. Die spart einem eigentlich nur das Kartoffelkochen.) Ich weiß gar nicht, wieso ich meine ersten 30+ Jahre ohne Labskaus verbringen musste.
Das Schwierigste an der Herstellung ist das anschließende Braten der Spiegeleier, die zwingend dazu gehören. Die kommen hinterher nämlich oben drauf. Und daneben kommt Rote Bete und ein Gürkchen, welches man noch schön einschneiden und auffächern kann, wenn man was für Instagram haben will.

Achja, dann, wenn man will, kommt noch ein Rollmops dazu. Und vielleicht noch ein Jever. Oder zwei.

Wurstebrei („Das klingt ja schon ekelig“)

Beginnen wir mit dem Klassiker: mit dem Wurstebrei. Banausen nennen ihn auch Stippgrütze oder Grützwurst. Alle Varianten klingen jetzt nicht gerade einladend. „Getreidegrütze an Schweinsresten im Dialog an Innerei“ klingt aber auch nicht besser, das ist wohl das Schicksal des Gerichts: Haute cuisine wird das mit den Voraussetzungen schonmal nicht.
Wie auch immer man ihn nennen mag: es handelt sich nunmal um Fleischreste und Innereien, die mit Getreidegrütze verkocht werden. Das Endprodukt ist dann zunächst eine feste Masse in einer Wursthülle. In Scheiben geschnitten haut man diese nun in die Pfanne und lässt sie langsam weich werden. Sobald es breiig wird, kann theoretisch gegessen werden, wir lassen ihn immer gerne etwas anknuspern, dann ist er auch nicht mehr ganz so fettig.

Wurstebei essen ist schon etwas experimentell, da man nie genau weiß, welche Innereien der Metzger gerade übrig hatte. Im Normalfall schmeckt man keine speziell heraus; dann ist es ein sehr leckerer Wurstebrei. Wer so wie wir Leber mag, wird mit diesem leichten Beigeschmack auch kein Problem haben. Wir haben allerdings meine Küche auch schon einmal olfaktorisch in eine Bahnhofstoilette verwandelt, als wir ein Produkt erwischt hatten, bei dessen Herstellung wohl Nieren übrig waren. Viele Nieren. Falls das passiert: Bratet ihn zu Tode! Der Geruch weicht irgendwann und geschmacklich war auch dieser (zunächst als Zonk deklarierte) völlig genießbar.
Im Normalfall passieren solche Flops aber auch nicht. Im Zweifel tut es immer das Supermarktprodukt vom größeren Metzger aus der Region. Da hat man den Standard Wurstebrei, der wirklich verdammt lecker ist. Sehr würzig und auch nicht unappetitlich anmutend, auch wenn man die Konsistenz natürlich erstmal als solche akzeptieren muss.

Wurstebrei ist eine 1A Grundlage. Auf einschlägigen Fanseiten im www (ja, die gibt es) wird als Beilage „Pils und Korn“ empfohlen. Auf jeden Fall aber gehören Kartoffeln dazu, die man mit dem Fleischartigen ordentlich vermanschen kann. Als zweite Beilage dienen bei uns immer Gewürzgurke bzw. Rote Beete. Auf jeden Fall zwingend etwas säuerliches. Klingt komisch, is aber so. Für die Verdauung. Denn Wurstebrei ist bisher noch nicht in der Brigitte Diät erwähnt worden. Ein Jammer.

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Misanthropiephobie

Man mag sie ja nicht mehr so recht lieb haben. Die Menschheit an sich. Mit dieser Spezies hat die Evolution echt mal einen Bock geschossen. Nicht zu Ende gedacht.
Auf solche Gedanken kann man schon hin und wieder mal kommen. Wenn man die Nachrichten guckt. Oder im Supermarkt gepellte Mandarinen in einer Plastikbox verkauft werden. Oder wenn einem wieder so ein Arschloch die Einfahrt zuparkt.

„Können Sie vielleicht noch ne Kasse aufmachen?“ nölt hinter mir ein Typ in meinem Alter. Vor mir sind zwei Kunden. (Okay, wird schon seine Gründe haben. Der hat’s bestimmt einfach eilig. Vielleicht hat er Durchfall und muss schnell neues Klopapier kaufen.) Er kauft eine Flasche Cola und ne Packung Paderborner Landbrot. Wohl doch kein Durchfall. Schade.

Leider kein Einzelfall, wenn ich Eduard Zimmermann zitieren darf.
Die zeternde Großfamilie in der Straßenbahn oder der Vollidiot, der sich beim Konzert direkt vor deine Nase stellt. Und sich dann einen Zylinder aufsetzt. Manche schließt man irgendwie nicht direkt ins Herz.
Hinzu kommt natürlich, dass man das aktuelle Weltgeschehen auch nicht gerade als clever durchdacht bezeichnen kann. Tiervideos bei YouTube sind dieser Tage doch irgendwie oft die bessere Abendunterhaltung als die tagesschau.
Und da ich ja (powered by google) leichte Hypochondrie mein Eigen nenne, fühle ich mich nun der Gefahr ausgesetzt, misanthropische Züge zu entwickeln. Nun ist ja ein Augenrollen hin und wieder noch keine Misanthropie nach DIN oder Pschyrembel, aber wer weiß, ob ich da nicht noch was ausbrüte.
Um dem entgegen zu wirken, sollte ich vielleicht mal Prävention betreiben. Sie sind ja gar nicht alle bescheuert.
In meinem Umfeld (sozusagen in der real life Filterblase) sind sowieso nur die Coolen. Jedenfalls keine, die anderen ungefragt an die Geschlechtsteile fassen oder sonstwie kopfschüttelnswert wären. Und sowohl die Frau an der Kasse als auch die beiden Kunden vor mir fanden den Typen genauso unangenehm wie ich. Einer grinste mich sogar an, als er mich beim Augenrollen erwischte. Dumm halt, dass man sich an die nicht mehr erinnert. Die Bekloppten bleiben länger im Gedächtnis. Auch da hat Mutter Natur irgendwo einen Bug eingebaut. Aber ich versuche jetzt einfach mal, ihr ein Schnippchen zu schlagen. Statistisch gesehen begegnen mir nämlich täglich mehr von den Coolen. An Tagen, an denen ich es drauf anlege, ist die Quote sogar beeindruckend hoch.
Da sollte die Gefahr, der Misanthropie anheim zu fallen schon mal geringer sein. Und wenn man ehrlich ist, war der Hermesbote auch nett, der am gestrigen Sonntag geklingelt hat, weil er ein Paket für den Nachbarn abgeben wollte. Und heute morgen in der Stadt hat mir jemand die Tür aufgehalten. Es haben mir mehrere Personen einen schönen Tag gewünscht und ein paar haben das vielleicht sogar auch ernst gemeint.

Vielleicht muss ich mir also doch keine Sorgen machen, bald Schopenhauers BFF zu werden.
Sind ja gar nicht alle bescheuert. Vielleicht bin ich ja sogar immun dagegen. Kann ja schließlich sein. Es kann aber auch sein, dass es an der Taranteldoku liegt, die ich eben geguckt habe.

Kommando: Entspannung!

„Entspannense sich mal“ gab mir kürzlich ein weiser Medizinmann auf den Weg. „Fahrense ans Meer oder legense sich innen Garten oder sowas.“

Hm. Entspannen. Das hat mir gerade noch gefehlt.
Ich, die bei den Abschluss-Stretching-Übungen beim Sport schon nervös auf die Uhr guckt.
Die sich beim Frisör jedes Mal fragt, warum die so lange an den Haaren rumwaschen müssen. Ich war wohl häufiger im Ausland als in einer Badewanne (und ich war nicht oft im Ausland). Der letzte Entspannungsversuch bestand aus der CD „autogenes Training“, hier muss man abwechselnd in irgendwelche Körperteile atmen, was mir nach 3,5 Minuten so auf die Nerven ging, dass ich so unentspannt war wie wohl niemals zuvor.

Jetzt hatte ich also den Salat. Aber wenn schon entspannen, dann wenigstens im Wasser. Also besuchte ich heute ein Salzwasserbad. Nein, falsch, eine Salzwasser-Thermenlandschaft. Mit Sauna und alles. „Entspannung pur“ ist deren Slogan. Na dann.

Nachdem ich mich an der Kasse entschieden hatte, ob ich mich 2 oder 3 Stunden oder den ganzen Tag entspannen wollte, fing ich mal mit dem Einfachsten an. Schwimmen. Das kann ich, da weiß man was man hat. Danach ging dann aber der Stress schon los: Supersolebad („genießen Sie die Schwerelosigkeit und die sanfte Unterwassermusik“, vor allem aber das Geschrei von Kindern mit Salzwasser im Auge), Warm- und Kaltwasserbecken, Dampfbad und diverses anderes Wellnessgebade. Und während man dann so schwerelos im Supersalzwasser liegt, kann man in aller Ruhe mal drüber nachdenken, was man noch alles so machen müsste. Unter anderem Klopapier kaufen. Bloß nicht vergessen. Nein, im Ernst. Es fallen einem schon nützliche Sachen ein, wenn man so entspannt.
Zum Beispiel, dass man das Licht am Auto nicht ausgemacht hat (nein, mein Auto piept nicht, wenn man es vergisst).
Nunja, raus aus dem Becken, Handtuch umwerfen, Schlüssel holen.
„Ähm, Entschuldigung, lassen Sie mich gleich wieder rein? Ich hab das Licht am Auto angelassen.“
„Ja, wollen Sie denn SO nach draußen?“
Was denkt die denn? Ich habe doch nur zwei Stunden Zeit um mich zu entspannen und wenn ich mich jetzt erst anziehe und mir die Haare trockne sind die zwei Stunden doch um! Ist eh schon alles ganz schön knapp mit der Entspannung, weil ich ja einen halbe Stunde mit Bahnenschwimmen verplempert habe und jetzt wird’s langsam ganz schon eng mit der Entspannungszeit!
Ich flipflopte also mit Handtuch zum Parkplatz (ja, man wird komisch angeguckt, sogar in Bad Salzuflen), machte das Licht aus („hoffentlich rechtzeitig“) und flipflopte zurück.

Jetzt aber entspannen. Dampfbad. Verweildauer 10-20min, so steht es an der Tür geschrieben. Und dann saß ich da.
Zehn Minuten können verdammt lang werden, wenn man so sitzt. Ohne was dabei. Acht hab ich geschafft. Schließlich musste ich auch noch Zeit für die Heiß/Kalt-Wechselbecken einplanen. Was ein Stress.
Kurz vor Ablauf der zwei Stunden dann unter der Dusche gemerkt, dass ich weder Shampoo noch Duschgel mit mir führte. Das lieh mir dann eine etwa 140jährige niedliche Omi mit dünnen Pommesbeinchen im Tierprintbadeanzug mit Tiffy Badekappe. (Erstaunlicherweise sind Rentner in Badebekleidung nicht beige, sondern das genaue Gegenteil, gibt es da schon Studien zu?)
Ich bilde mir ein, ein wenig nach Kölnisch Wasser zu riechen und meine Haare haben vielleicht auch einen leichten Stich ins Violett, aber das nur am Rande.

3 Minuten vor Ablauf der zwei Stunden passierte ich das Ausgangsdrehkreuz. Kurze Zeit später saß ich wieder in meinem Auto.
„Jetzt aber erstmal in Ruhe eine rauchen.“
Und so richtig tiefenentspannt war ich dann, als der Motor gleich beim ersten Versuch ansprang.

Hurra. Es hat funktioniert.

Vitamin D

Letzten Sonntag trank ich meinen ersten Outdoor Kaffee im Garten einer Freundin. Es war der 1. Mai und es war warm. Also, nicht so heizungswarm, sondern richtig. Zweistellige Temperaturen. Ich trug Sonnenbrille und T-Shirt.
Auf dem Rückweg roch die Luft im Viertel nach Grillfleisch. Überall waren jut druppe Menschen ebenfalls mit Sonnenbrillen unterwegs. Ohne Ohrenwärmer und ohne Schal. In einem Gemeindezentrum fand irgendwas Afrikanisches statt. Mit Trommeln und bunter Bekleidung. Ein Ehepaar jenseits der 80 spazierte in beiger aber durchaus luftiger Kleidung Eis essend die Straße entlang.
Gestern setzte ich noch einen drauf: Das erste Outdoor Bier stand im Outlook. Halb vier Anstoß. Sicherheitshalber mal ne Jacke mitnehmen. Man weiß ja nie. Gefroren habe ich allerdings erst abends auf dem Sofa. Weil ich einen kleinen Sonnenbrand hatte. Nichts Ernstes. Vielleicht ein Sonnenbrändchen. Ich bin eben nicht so der südländische Typ.

Früher war mir Wetter immer ziemlich egal. Regen und Sturm fand ich zwar doof, aber solange ich nicht gerade eine Fahrradtour durch einen Weltuntergang machen musste, interessierte mich das eigentlich nicht weiter. War dann eben doof. Dieser gefühlte 8-monatige Winter hat das offenbar geändert. Auf jeden Fall stelle ich in den letzten Tagen etwas Merkwürdiges an mir fest: Gute Laune! (Huch)
Heute morgen brauchte ich keine Jacke und ich konnte die Fensterscheiben im Auto herunter kurbeln, ohne von Hagel oder Schnee getroffen zu werden. Die Vögel tschilpten und sogar die „Hu Huuu Hu“ tönende Taube, die seit einiger Zeit auf meiner Fensterbank rumwohnt, inspirierte mich heute ausnahmsweise nicht zu Luftgewehr- Szenen. Noch vor zwei Wochen haderte ich mit der Welt, wenn der Wassertank meiner Kaffeemaschine leer war. Heute nicht. Und gestern auch nicht. Und morgen hoffentlich auch nicht.
Nicht einmal die Tatsache, dass ich nach der Arbeit ein Paket am Arsch der Welt abholen musste, konnte mich verärgern. Auch nicht die Erkenntnis, dass am Arsch der Welt noch Mittagspause bis 15 Uhr herrscht und ich (natürlich) zu früh vor Ort war. Statt dessen ging ich in der Wartezeit federnden Schrittes zur Erdbeerbude um die Ecke.
Jetzt ist nämlich Sommer! So richtig!
Wenn ich in Chemie besser aufgepasst hätte, könnte ich euch jetzt vielleicht die Zusammenhänge besser erklären. Sicher ist, dass das Wetter wohl in meinen Synapsen mal ordentlich durchgefeudelt hat. Frühjahrsputz sozusagen. Und wo großreinegemacht wurde, ist wieder Platz für Serotonin und andere nützliche Dinge.
Und während die Kater alle Viere von sich gestreckt in Rückenlage meinen Küchentisch blockieren, gucke ich mir einen Strauß Tulpen an und esse Erdbeeren. Und lasse den lieben Gott ’n guten Mann sein.
Aber keine Angst. Sobald die Temperaturen über 25° steigen, bin ich wieder die Alte und schimpfe vor mich hin. Versprochen!
Und jetzt entschuldigt mich, ich muss jetzt kurz sehr laute Musik hören.

„Seid doch endlich mal gemütlich!“

Bielefeld. Meller Straße. Halb sechs. Zwei Verkehrsteilnehmer tauschen lebhaft ihre Ansichten zur Straßenverkehrsordnung aus. Ich kann nicht genau ausmachen, wer von beiden jetzt das „blinde Arschloch“ und wer „der rücksichtslose Spinner“ ist, der „keine Ahnung und keine Augen im Kopp“ hat, dafür habe ich den Anfang der Geschehnisse leider verpasst. Außerdem ist es um diese Zeit schon recht dunkel, so dass nur die Weihnachtsbaumbeleuchtung vom gegenüberliegenden Parkhaus etwas atmosphärisches Licht in diese Inszenierung bringt.

Hach ja, der Advent ist schon eine schöne besinnliche Zeit. Alle kommen mal etwas zur Ruhe und haben sich gegenseitig lieb.

Gefälligst!

Schon meine Omma unterband früher jede Meinungsverschiedenheit oder jede nicht ganz politisch korrekte Äußerung mit den Worten: „Na! Es ist doch Advent!“

Achso. Ja, stimmt. Da war ja was. Advent. Da soll man ja total guter Dinge sein.
Advent. Das ist ja die Zeit, in der ich 4 Wochen kalte Füße hinter mir und 8 Wochen kalte Füße vor mir habe. Das ist der Monat, in dem ich bei Dunkelheit zur Arbeit fahre und bei völliger Dunkelheit nach Hause komme.
Zu dieser Zeit kann man die Innenstadt nicht betreten, ohne zuvor einen Selbstverteidigungs- oder mindestens einen Yoga-Kurs absolviert zu haben.

Advent heißt auch: „Ach du scheiße, das Jahr ist ja bald um, alle Firmen machen Betriebsferien, da müssen wir aber vorher noch alles fertig arbeiten!“ Wobei wir in diesem Fall meistens ihr bedeutet. Advent heißt nämlich auch, dass man Kollegen und Vorgesetzten schon „Schöne Weihnachten und nen guten Rutsch!“ wünscht, wenn die Allerheiligengestecke noch auf den Friedhöfen liegen.

Bevor hier jetzt falsche Verdächtigungen aufkommen: Ich finde Weihnachten nicht schlimm. Ich habe zwei Tage frei, wie käme ich darauf, dies zu kritisieren? Ich schimpfe ja auch nicht über den 1.Mai. Oder den Tag der deutschen Einheit. Alles gut. Weihnachten olé olé. Trotz meiner 20 jährigen Tätigkeit im Einzelhandel (achduscheißebinichalt) finde ich auch Lichterketten und Weihnachtstüddelütt nicht schlimm. Ich mag Zimt und Mandarinen und ich toleriere Menschen, die Glühwein trinken. Ich habe Kekse gebacken und mir sogar einen Weihnachtsbaum gekauft. Am ersten Advent habe ich eine Kerze angezündet und „Actually Love“ geguckt. Gehört sich so.
Warum ich jetzt aber netter oder weniger nett, besinnlich, gemütlich oder festlich gestimmt sein soll, erschließt sich mir noch nicht. Okay, im LIDL gibt es jetzt getrüffelte Leberwurst und die leckere Meersalzbutter. Und im Fernsehen laufen wieder die Hoppenstedts. Das kommt mir gut zu Pass. Darüber hinaus fällt mir nicht viel ein, was mich jetzt aktuell besinnlich stimmen könnte. Und das, obwohl ich mich nicht einmal nachts im Bett wälze und grübel, was ich noch an Geschenken zu besorgen habe. Schenken finde ich ganz okay. Fast noch besser als beschenkt werden. Das liegt vielleicht an den Kindheitserinnerungen an die jährlichen Frottee Schlafanzüge von Omma. („Naja, passt halbwegs, die Hose kneift etwas unter den Armen.“- „Achwas, da wächst du noch rein!“). An sich sind Geschenke okay. In beide Richtungen. Solange man sie nicht an einem verkaufsoffenenen Sonntag oder einem Adventssamstag bei Douglas, Christ oder Thalia besorgen muss. Zusammen mit Fantastilliarden Menschen aus dem Umland. („Irmgard, wenn wir uns verlieren, wir treffen uns beim Posaunenchor!!“)
Weihnachten schockt mich nicht, es macht mir keine Angst, aber es macht eben auch nicht das Gegenteil. Ich bin am 25.12. genauso gemütlich, besinnlich, nett, misanthropisch, liebenswert und unleidlich wie am 16.7. Nur nicht so unausgeschlafen vielleicht.

Aber ich habe ja auch gut Reden. Ich erwarte keinen Besuch von 15 Personen im glitzernden P&C Abendkleid, die sich alle hassen und die kommenden 2 Tage nur streiten werden. Ich muss keinen SUV mit Weihnachtseinkäufen füllen und in meiner Badewanne schwimmt auch nicht schon seit Wochen ein Karpfen (was nicht in erster Linie daran liegt, dass ich keine Badewanne besitze), dem ich am 23.12. die Organe entfernen muss, nachdem ich ihm ein Nudelholz auf den Kopf gehauen habe.

Meine Weihnachtsvorbereitungen sind nämlich bereits abgeschlossen. Ich habe eine Kiste Bier gekauft. Für die Gemütlichkeit.

Aquawedistan

Es gibt kein Wasser in Bielefeld. Paul Kuhn hätte darüber sicher noch ein Lied geschrieben, wenn er noch ein, zwei Jährchen länger gelebt hätte.
Gar kein Wasser ist jetzt auch nicht ganz richtig. Es gibt die Lutter. Wenn man lange sucht und ganz genau hinguckt. Und es gibt den Obersee. Und den Johannisbach. Aber streng genommen handelt es sich hier ja nicht wirklich um Wasser im eigentlichen Sinne.
Als Wassersportler ist man auf Binnengewässer angewiesen. „Binnen“ im Sinne von gefliest. Und aufgrund der Klimazone, in der sich unsere schöne Stadt befindet, auch meistens „binnen“ im Sinne von innen.
Zweimal die Woche versuche ich, meinen alternden, eingerosteten Körper durch Leibesübungen zu triggern, indem ich 1-2 Kilometer schwimme.
„Ist das nicht total langweilig?“ fragte mich neulich eine Kollegin. „Beim Laufen sieht man ja wenigstens Gegend und kann Musik hören!“
Nein. Es ist überhaupt nicht langweilig. Denn man kann ganz wunderbar die anderen Menschen beobachten und in Schubladen stecken. Für mich als ordnungsliebenden Menschen (ähem) eine unverzichtbare Tätigkeit.

Kategorie 1: Die Jodeldiplom Hausfrau
Sie hat mit dem Hobby Schwimmen jetzt endlich was für sich. Während der Göttergatte (kurz GöGa) angelt, philatiliert oder Tauben züchtet, geht sie schwimmen. Mit der Nachbarin. Wenn die Zeit hat und das Wetter fürs Nordic Walking zu schlecht ist. Jodeldiplom Hausfrauen sind daran zu erkennen, dass sie vor dem Schwimmbadbesuch zum Friseur und zur Kosmetikerin gehen. Daher sollte man nicht zu nah an sie heran schwimmen, umherfliegende Tröpfchen sind bei diesen Damen nicht gerne gesehen!

Kategorie 2: Die Senioren
Meine Lieblingsmitschwimmer. Die sind wirklich zum Liebhaben! Sie haben immer Badekappen auf, mit denen sie Tiffy aus der Sesamstraße zum Verwechseln ähnlich sehen. Eine ältere Dame schwimmt im Aquawede immer im Nichtschwimmerbereich entlang des Beckenrandes, obwohl sie durchaus Seepferdchenqualitäten an den Tag legt. Sie lächelt immer ganz freundlich, wenn man um sie herum schwimmt. >
In größeren Gruppen sind Senioren allerdings eine Herausforderung. Wenn „Langsam-Schwimmen-Ohne-Untergehen“ irgendwann olympisch wird, kenne ich mindestens eine Mannschaft, die alle Medaillen abräumen könnte. Wenn man längere Zeit hinter so einer Gruppe hergeschwommen ist, kennt man auch diverse gute Saucenrezepte und man weiß, wie der Butterkuchen auf Schlüterkamp Theos Beerdigung war (der Mann von Edeltraut, die mit dem schlecht sitzenden Gebiss, ihr wisst schon).

Kategorie 3: Schwimmlehrer Papa
Väter bringen ihren Kindern das Schwimmen bei. So will es scheinbar das Gesetz. Kein Abend im Aquawede ohne die Väter, die ihre beschwimmflügelten Leibesfrüchte zu Wasser lassen. War bei mir damals auch so. Papa lehrt schwimmen. Und ist voller Stolz, wenn der Bademeister das Seepferdchen ausgibt. Welches Mutti dann annähen muss.

Kategorie 4: Der Albatros
Ich habe einen Badeanzug. Und zwei Handtücher. Fertig. Der Albatros hat mindestens Schwimmbrille und stromlinienförmige Badekappe (die er vielleicht mit Vaseline einschmiert, bevor er ins Wasser köppert). Wenn ich mal nah genug dran komme, werde ich mal kontrollieren, ob seine Beine besser rasiert sind als meine. Der Profi- Albatros hat zusätzlich noch mindestens eine Nasenklammer. Letzte Woche habe ich sogar einen mit Schnorchel gesehen.

Ein Nachwuchsalbatros hat von mir den Namen „Aquawedewalross“ bekommen. Walross ist hier nicht despektierlich gemeint. Aber der Schäuzer ließe NDR Antje erblassen. Im Wasser ziehen sich die Oberlippenhaare bis ans Kinn. Da seine Nase (natürlich) eine Nasenklammer trägt, wird er wohl durch die Haut atmen. Zusätzlich zum Schnäuzer hat er auch sonst eine beachtliche Haarpracht. Nur nicht auf dem Kopf. Mit einer Komplettrasur könnte er noch den ein oder anderen km/h rausholen. Er ist auf jeden Fall sehr engagiert und zielstrebig. Muss er sein, wenn er mit den anderen stromlinienförmigen Hardlinern mithalten will. Umso mehr ärgert es ihn, wenn er überholt wird.

Kategorie 5: Ich
Ich kann nicht kraulen. Nicht mehr als zwei Züge. Dann drohe ich zu ersticken, auch ohne Oberlippenbart bis zum Kinn. Diese Koordination aus links, rechts, Füße UND atmen ist technisch nicht möglich, wenn man so ein Körperklaus ist wie ich. Rückenschwimmen macht mir Angst. Nicht sehen, wo es langgeht, finde ich unheimlich. Und da ich kein eingebautes Echolot habe, lasse ich es einfach. Ich beherrsche auch keine Kraulwende. Sollte ich jemals wieder eine praktizieren müssen, dann nur mit Integralhelm. Das wäre ein ganz nützliches Accessoire. Solange man damit aber als Freak abgestempelt wird, ziehe ich lieber ohne meine Bahnen. Ohne Nasenklammer, ohne Brille und ohne Schnorchel. Und wenn ich das Aquawede Walross dann wieder überhole, liegt es bestimmt daran, dass meine Beine rasiert sind.

#refugees welcome

Dies ist wahrscheinlich der 8746. Blogbeitrag zu den Geschehnissen der letzten Wochen. Egal. Es kann wahrscheinlich nicht genug davon geben. Ich könnte jetzt über Nazis schimpfen. Sehr gut sogar. Über Nazis schimpfen ist total einfach. Seitdem ich mit diesem rechten Pöbel immer wieder und wieder konfrontiert werde, weiß ich, wofür es die Caps Lock Taste gibt.
Man kann nicht genug darüber schimpfen. Da ist es mir auch egal, wer das tut. Selbst Til Schweiger hat bei mir ein paar Sympathiepunkte gesammelt.
Die Sache hat nur einen kleinen Haken: Wenn ich in meiner handverlesenen Facebook- oder Twittergemeinde auf Nazis schimpfe, dann erntet dies allgemeine Zustimmung. Das ist natürlich erst einmal gut. Dumm nur, dass es genau die, die es eigentlich erreichen sollte, nicht erreicht. Und selbst wenn meine Freundesliste einige dieser Klappspaten enthielte, würde Schimpfen nicht helfen. Auch Argumente nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt irgendetwas helfen würde.
Die Oettinger Brauererei könnte vielleicht damit werben, dass sie für jede verkaufte Kiste Bier einen Euro für Flüchtlinge spendet. Das würde sie sicher nicht bekehren, aber zumindest ausnüchtern lassen. Und ärgern. Immerhin.

Ich bekam mit meinem Schulabschluss damals das Grundgesetz geschenkt, wie wahrscheinlich alle von uns. Vorausgesetzt, man HAT einen Schulabschluss. Darin steht ein Artikel, der eigentlich alles erklären dürfte: Artikel 1. Fertig. Keine weiteren Regeln nötig.
Diejenigen, die im Moment ihren Frust auf den nicht bestandenen Mofaführerschein oder das sechste uneheliche Kind an Menschen auslassen, die alles zurückgelassen haben, weil sie um ihr Leben fürchten mussten, haben scheinbar nicht einmal die Fähigkeit, diese sechs Wörter zu lesen und zu verstehen.
Bevor ich mir aber den ganzen Tag den Kopf zerbreche, was diesen widerwärtigen Menschen Verstand in die Wasserköpfe prügeln könnte, besinne ich mich lieber auf die Gegenseite:
In meiner Stadt haben Bürger in den letzten Wochen hunderte Pakete gepackt. Es werden Grillfeste für Flüchtlinge veranstaltet. Als hier vor ein paar Wochen eine Pegida Demo stattfinden sollte, war innerhalb weniger Stunden eine Gegendemo organisiert, die so viele Anmeldungen verzeichnen konnte, dass die Trottel mit ihren besorgten Ärschen direkt RTL2 guckend vor’m Fliesentisch geblieben sind. Im Januar gab es bei Eiseskälte eine Demonstration als Reaktion auf Dresden und Co. Über 10.000 Bielefelder haben sich dort den Hintern abgefroren.
Als ich meiner Mutter erzählte, dass hier Pakete mit Haushaltswaren gesammelt werden, hat sie innerhalb weniger Tage ihr halbes Haus leer geräumt. Die Halle, in der ich die Kartons schließlich abgab, quoll über.

Es ist schlimm, dass es Arschlöcher gibt. Aber es gibt mehr Nichtarschlöcher als Arschlöcher. Und wenn sich Herz und Hilfe der Nichtarschlöcher noch steigern, dann können wir den Pöbel vielleicht irgendwann ruhig stellen.
Daran versuche ich zu denken, wenn ich die Tagesthemen gucke. Und ich hoffe, dass die Menschen, die hierher kommen, das auch merken. Vielleicht nicht in Freital. Sicher nicht in Heidenau. Aber vielleicht wenigstens hier.

Ballade an Nicht- Familienmitglieder

In den siebziger Jahren, als ich das Licht der Welt erblickte, gab es bereits die Anti- Babypille. Diese Tatsache, verbunden mit der Eigenschaft meiner Eltern, nicht katholisch zu sein, ist wohl der Grund dafür, dass ich nicht in einer Waltons Familie aufgewachsen bin.
So habe ich zum Beispiel keine Geschwister, die mit mir zusammen groß geworden sind. Auch Omma und Oppa, sowie diverse Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, Schwippschwager und Schwippschwägerinnen wohnten nicht um die Ecke, so dass unsere Familie aus exakt 3 Personen bestand. Inzwischen sind es sogar nur noch zwei. (Spricht man da eigentlich noch von Familie?).
Es gab bei uns keine Geburtstagsfeiern mit 25 Verwandten, kein Weihnachtsfest, für das man das halbe Haus umbauen musste, um alle Personen zu beherbergen. Ich musste nicht die zerschlissenen Jeans meiner Brüder und Schwestern auftragen und hatte immer ein Zimmer für mich alleine. Dieses Familiendings war und ist für mich also immer etwas nebulös.

Nun lebe ich seit mehr als drei Jahrzehnten mit dieser Tatsache, alleine zu sein, und stelle fest, dass ich das ja eigentlich gar nicht bin. Im Gegenteil. Eine Familie ist ja irgendwie wie ein Fußballverein: Man sucht sie sich nicht aus. Sein soziales Umfeld hingegen schon. Und auch wenn ich keinen großen Bruder hatte, gab es doch immer irgend jemanden, der ihn ersetzen konnte.
Es gibt Menschen, die ertragen mich schon seit über 30 Jahren, andere noch nicht ganz so lange. Irgendwer war immer da, von dem ich Mathe abschreiben konnte, der Umzugskartons geschleppt hat. Manche haben mir gesagt: „Vergiss den Typen, er ist ein Arsch“ und haben aufgepasst, dass mir keiner k.o. Tropfen ins Bier geschüttet hat. Einige haben mir Geld geliehen, als ich meinen Deckel nicht bezahlen konnte. Manche dieser Nichtfamilienmitglieder zerren mich genau dann aus dem Haus, wenn mir die berauhfasertapetete Decke auf den Kopf fallen will. Es gibt in meinem Umfeld auch Personen, die mich fragen, wie es mit geht, wenn sie wissen, dass die Antwort vielleicht nicht „Danke, gut und dir?“ heißen wird.

Insbesondere, wenn einem täglich zahlreiche Arschlöcher begegnen, ist es doch ganz angenehm zu wissen, dass sich das persönliche „Buch der coolen Leute“ nach und nach füllt und man auch nur wenige Zeilen hin und wieder überschreiben muss.
Ich brauche keinen großen Bruder, den ich nachts anrufe, wenn in meiner Küche mal das Fett brennt. Und ich brauche keine kleine Schwester, die mir beim Kotzen die Haare hält. Irgend jemand würde mir da schon einfallen.