Labskaus- „das ist mit Fisch, oder?“

Labskaus

Naja. Ja. Und nein. Nicht unbedingt. Es sei denn, man zählt den Rollmops mit, den man wahlweise anbei isst. Ansonsten hat Labskaus nicht zwingend mit Fisch zu tun. Warum sich das Gerücht so hartnäckig hält, weiß ich nicht. Vielleicht, weil es optisch an Heringssalat erinnert. Vielleicht, weil es im Norden, vor allem an der Küste beheimatet ist.
Es ist jedenfalls fischlos. Zumindest die deutsche Variante. Auch hier scheint es aber nach meinen Recherchen wieder zig Variationen zu geben. Labskaus ist im Gegensatz zu den meisten anderen Gerichten, die aussehen wie schonmal gesessen, auch eines, bei dem man noch selbst kocht und nicht nur Fertiges erwärmt.
Bisher habe ich Labskaus immer nur kochen lassen, habe aber mitbekommen, dass man zunächst Corned Beef anbrät. Sobald ebendieses nicht mehr nach Katzenfutter riecht, verrührt man es mit mikroskopisch klein gewürfelter Roter Bete und saurer Gurke, schüttet etwas von den jeweiligen Einlegsäften hinzu und vermischt es dann mit parallel hergestellten Stampfkartoffeln. Im Prinzip.
(Die Dänen möllern wohl auch noch einen Hering mit rein, da kommt dann der Fisch ins Spiel, auf den man aber durchaus auch verzichten kann, wenn man will. Aber in Zeiten, in denen man sich Garnelen aufs Steak legt, sollte man auch nicht das Gesicht verziehen, wenn man Hering und Corned Beef kombiniert.)
Labskaus ist wirklich ein sehr leckeres Essen, das man unbedingt mal testen sollte. Am besten bestellt man es mal beim nächsten Urlaub an der See. Aber auch im wasserarmen Bielefeld ist es sehr leicht herzustellen (und auf jeden Fall besser als die Konserve, die ich nach einem Wangerooge Trip mitbrachte. Die spart einem eigentlich nur das Kartoffelkochen.) Ich weiß gar nicht, wieso ich meine ersten 30+ Jahre ohne Labskaus verbringen musste.
Das Schwierigste an der Herstellung ist das anschließende Braten der Spiegeleier, die zwingend dazu gehören. Die kommen hinterher nämlich oben drauf. Und daneben kommt Rote Bete und ein Gürkchen, welches man noch schön einschneiden und auffächern kann, wenn man was für Instagram haben will.

Achja, dann, wenn man will, kommt noch ein Rollmops dazu. Und vielleicht noch ein Jever. Oder zwei.

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Wurstebrei („Das klingt ja schon ekelig“)

Beginnen wir mit dem Klassiker: mit dem Wurstebrei. Banausen nennen ihn auch Stippgrütze oder Grützwurst. Alle Varianten klingen jetzt nicht gerade einladend. „Getreidegrütze an Schweinsresten im Dialog an Innerei“ klingt aber auch nicht besser, das ist wohl das Schicksal des Gerichts: Haute cuisine wird das mit den Voraussetzungen schonmal nicht.
Wie auch immer man ihn nennen mag: es handelt sich nunmal um Fleischreste und Innereien, die mit Getreidegrütze verkocht werden. Das Endprodukt ist dann zunächst eine feste Masse in einer Wursthülle. In Scheiben geschnitten haut man diese nun in die Pfanne und lässt sie langsam weich werden. Sobald es breiig wird, kann theoretisch gegessen werden, wir lassen ihn immer gerne etwas anknuspern, dann ist er auch nicht mehr ganz so fettig.

Wurstebei essen ist schon etwas experimentell, da man nie genau weiß, welche Innereien der Metzger gerade übrig hatte. Im Normalfall schmeckt man keine speziell heraus; dann ist es ein sehr leckerer Wurstebrei. Wer so wie wir Leber mag, wird mit diesem leichten Beigeschmack auch kein Problem haben. Wir haben allerdings meine Küche auch schon einmal olfaktorisch in eine Bahnhofstoilette verwandelt, als wir ein Produkt erwischt hatten, bei dessen Herstellung wohl Nieren übrig waren. Viele Nieren. Falls das passiert: Bratet ihn zu Tode! Der Geruch weicht irgendwann und geschmacklich war auch dieser (zunächst als Zonk deklarierte) völlig genießbar.
Im Normalfall passieren solche Flops aber auch nicht. Im Zweifel tut es immer das Supermarktprodukt vom größeren Metzger aus der Region. Da hat man den Standard Wurstebrei, der wirklich verdammt lecker ist. Sehr würzig und auch nicht unappetitlich anmutend, auch wenn man die Konsistenz natürlich erstmal als solche akzeptieren muss.

Wurstebrei ist eine 1A Grundlage. Auf einschlägigen Fanseiten im www (ja, die gibt es) wird als Beilage „Pils und Korn“ empfohlen. Auf jeden Fall aber gehören Kartoffeln dazu, die man mit dem Fleischartigen ordentlich vermanschen kann. Als zweite Beilage dienen bei uns immer Gewürzgurke bzw. Rote Beete. Auf jeden Fall zwingend etwas säuerliches. Klingt komisch, is aber so. Für die Verdauung. Denn Wurstebrei ist bisher noch nicht in der Brigitte Diät erwähnt worden. Ein Jammer.

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Schonmal gegessen?

Es gibt wahrlich unappetitliche Gerichte. Dinge, die schlimm riechen zum Beispiel. Jeder, der schon einmal einen Appenzeller Käse über mehrere Tage im Kühlschrank zu liegen hatte, wird mir da beipflichten. Zudem gibt es Dinge, die eine etwas, naja, unappetitliche Entstehungsgeschichte haben. Lebensmittel, die erst schimmeln, fermentieren oder leicht verwesen müssen, damit sie richtig lecker werden. Und dann gibt es noch Gerichte, die einfach nicht schön aussehen. So eine hingeklatschte Erbsensuppe beispielsweise. Da kann man noch so viele Balsamicospiegelchen drumrum machen, es ist und bleibt eben eine Erbsensuppe.

Jetzt kann man auf diese ganzen hässlichen Nahrungsmittel natürlich verzichten, und sich statt dessen jeden Tag ein Stückchen Filet zubereiten. Oder Forelle Vierkant. Das sieht vernünftig aus und man weiß was drin ist (angeblich). Auf jeden Fall weiß man aber, dass man das Beste vom Tier auf dem Teller hat. Den Rest sollense mal ruhig ins Hundefutter rühren oder nach Afrika schicken. Da ist das Essen ja- so sagt man- knapp.

Nun habe ich ostwestfälische Vorfahren. Und Vorfahren, die den Krieg miterlebt haben. Von einem Schwein ist theoretisch alles essbar, abgesehen von Krallen und Borsten. Zur Not muss es eben tüchtig durchgemöllert werden. Und dann rührt man noch ein bisschen Grütze rein und dann wird das schon schmecken.

Tut es. Ich aß als Kind gerne Wurstebrei, wenn wir bei Omma im Raum Paderborn waren. Und ja, das sieht aus wie schonmal gegessen. Ein Armeleute-Essen wie aus dem Bilderbuch. Immer wenn wir die Verwandten besuchten, importierten wir uns Vorräte. Umso mehr freue ich mich darüber, dass meine Wahlheimat Bielefeld ebenfalls Wurstebreiregion ist.

Ich freute mich ebenfalls, in Schottland Haggis essen zu dürfen. Irgendwann probierte ich dann Labskaus und so nach und nach entwickelte sich ein traditionelles „Wir essen und probieren Sachen, die aussehen wie schonmal gegessen.“

Und irgendwann standen wir dann vor so einer Pfanne mit „Toter Oma“ und bedauerten, dass dieses wahrhaft leckere Essen nicht gerade instagramtauglich ist. Es besteht also durchaus die Gefahr, dass all diese Köstlichkeiten irgendwann in Vergessenheit geraten, weil man sie nicht mit Ruccola, Pinienkernen und Parmesamhobeln schick präsentiert bekommt.

Und weil es derer mehr gibt als man glaubt, werde ich in unregelmäßigen Abständen von unseren wagemutigen Experimenten berichten. Inklusive Zubereitungsempfehlung und geschmacklicher Bewertung. Wir haben schon viel getestet, aber ganz sicher noch lange nicht alles. Scheinbar hat jede Region da ihren eigenen Geheimtipp. Für Anregungen sind wir immer zu haben, einziges Kriterium ist, dass es eben aussieht, als hätte es jemand schon mindestens einmal gegessen. Die Zähne sollte man also im Glas lassen können.

Und Fotos gibt es trotzdem, ob ihr wollt oder nicht.
(Für diverse andere Lebensmitteltests empfehle ich übrigens Versuche von Miss James. Zudem danke ich Herrn G. für die Versuchsbegleitung und Überwachung.)